Freitag, 26. August 2016

Anklam 2016

Wieder eine der langjährigen Traditionsfahrten steht an. Udo holt mich zuhause ab und reist mit mir nach Anklam.  Gute zwei Stunden später im Bootshaus angekommen trudeln die Mitruderer aus all den anderen Vereinen ein.
Da ist Murmel aus Magdeburg, Uta und Ute aus Greifswald, Ramona aus Wernsdorf und viele Weitere.



Am Freitag Abend dann erstes gegenseitiges beschnuppern.
Am Morgen vom Samstag dann erste Ausfahrt. Es geht vorbei an Meterhohen Schilfufern. Wunderbar beschaulich. Kaum ein Boot begegnet uns. Wir haben ruhe und nur das Raunen der Rollsitze ist zu hören. ab und zu springt ein Fisch erschrocken aus dem Wasser. Die Sonne brennt uns allen die Siloutte der Sonnebrille ins Gesicht. Am alten Eisenbahngleis ist Fotoshooting angesagt.



Dann noch ein gutes Stück weiter. Evi hat alles genau getaktet. Rechtzeitig drehen wir um so dass wir alle zu unserer Mittagspause kommen und ein lecker Fischbrötchen oder ähnliches essen können.

Zum Kaffee rudern wir noch ein kurzes Stück an das gegenüberliegende Ufer.  Hier ist ebenfalls eine kleine Gastro' die uns lecker Kuchen und Kaffee serviert. Nun aber zurück. Mit ruhigem Schlag schieben sich die vier Boote wieder die Peene hinauf.  Der Gegenwind hat nachgelassen, somit kommen die Boote gut voran. Am Heimathafen angekommen werden die Boote gereinigt und bereits kurz darauf der Grill angeworfen.

Wir haben mehr Grillgut als wir essen können. Also wissen wir was es morgen gibt.

Die Sonne hat uns alle sehr müde gemacht wodurch der Abend kürzer als gewöhnlich ausfällt.

Am nächsten Morgen stehen aber alle wieder freudig Spalier um die Boote zu Wasser zu lassen.
Evi macht die Bootseinteilung. Udo und ich wollen unbedingt mit der Wiking fahren. Ein gesteuerter Dreier von Bootsbau Baumgarten. Da wir ebenfalls planen einen Dreier für die TiB zu kaufen, wollten wir unbedingt das Boot ausprobieren. Heck und Bug sind geschottet und bieten Schutz vor Wetter und Wellen. Die Rollsitze laufen leise und gleichmässig und durch die Breite verzeiht der E-Riss auch Patzer ungeübter Ruderer. Unser Fazit: ein gutes Boot für Anfängerausbildung und Wanderfahrten mit viel Gepäck.



Heute rudern wir backbord runter bis zum Achterwasser. Hier legen wir bei einer kleinen Landzunge an. Inzwischen scheint diese aber Privat jemanden zu gehören. Wir sind geduldet aber halten somit unsere Pause kurz. Ausserdem wurden wir von den Mücken attackiert. Das macht keinen Spaß. Also wieder zurück.




Durch die wenigen Pausen sind wir pünktlich zu 15:00 Uhr im Bootshaus und können nach der Bootsreinigung die Reste von gestern Abend vertilgen. Was ein Schmaus nach 2 mal 34 Kilometern. Doch jetzt kommt Aufbruchsstimmung auf. Alle packen ihre sieben Sachen zusammen und trennen sich in alle Himmelsrichtungen.


Der Rückweg ersparte uns leider nicht den ein oder anderen Stau. Doch wir kamen glücklich wieder in Berlin an und freuen uns jetzt schon auf das nächste Abenteuer im hohen Norden. Diesmal dann in Dänemark.



2016 © Helge Kubath

Donnerstag, 4. August 2016

Unser Vorwährtsruderer war bei BILD live.

Heiko, Gudrun und Gunnar präsentierten den BILD Zuschauern den einzigen Berliner Vorwärtsruderer. Und der liegt natürlich bei uns ;-)
Felix & Charlotte von der BILD.

Zum Video bitte Link klicken. 
https://www.facebook.com/tibrudern/posts/1769941773241327

Nachdem der Stream vorbei war hat sich der Reporter Felix Rentzsch auch noch in den Vorwärtsruderer gesetzt und hat dabei gar nicht so eine schlechte Figur gemacht.



Dienstag, 19. Juli 2016

Kiesseefahrt 2016 - ein Reisebericht

Reisebericht eines Neuankömmlings, eingefangen im Unisport
Kiessee Wanderruderfahrt 09./10.07.2016

14 Kameraden, davon 5 Unisportler (alle Neuwasser ab Müggelsee)
Drei gesteuerte Vierer (einer mit Loch)

Fahrtenleiter: Seewolf Keule
Bootsbesetzung:
Boot Werlsee: Udo, Charlotte, Thomas, Laura, Jens
Boot Spree: Seewolf Keule, Helge, Claudia, Björn, Jana
Boot Moldau: Heiko, Undine, Detlef, Bernhard

Wer nicht selbst schon einmal 80 km in 2 Tagen mit Skulls in den Händen hinter sich gelegt hat, der hat keine Ahnung worauf er sich einlässt.
Die Vorfreude darauf ist geradezu unermesslich und zurück bleibt ein taumeliger Seegang, geprägt von einem Dauergrinsen, doch purer körperlicher Erschöpfung, die es wert ist, auf sich zu nehmen.
Es geht viel zu früh los, aber je früher, desto weiter kommt man und je weiter man kommt, umso schöner wird es. Weit weg in unbekannte Gewässer, die sich aus Sicht eines Ruderbootes dahinschlängeln wie Weltmeere.

Klar Schiff machen
Und genauso starteten wir durch unsere 1. Etappe. Samstag 9 Uhr. Stürmisch, bewölkt und es roch nach Regen. Claudia und Keule erzählten schon auf dem Weg Schauermärchen über den unbändigen Müggelsee und sie wurden wahr. Das Neuwasser türmte sich vor und hinter uns auf, doch Keule blieb ruhig und manövrierte uns sicher in den sicheren Schlund der Müggelspree, wo sich das Wetter beruhigte. Ein Vierer (Udos Boot) hatte den Weg am Ufer des Sees eingeschlagen und wir waren in Sorge, ob sie es schaffen, doch der Seebär kennt seine Wege. Das war mit Abstand der aufregendste Teil der Wanderfahrt, da man sich vorstellen konnte, wie es wohl in solch wilden Gewässern zugehen muss, in denen sich Weltenumsegler befinden.

Boot: Spree, Konzentriert durch Klein Venedig
Als wir durch Klein Venedig schipperten, brach der Himmel auf und der Dämeritzsee war greifbar nah. Das Rudern nahm jetzt einen geschmeidigen Lauf und wir glitten durch seichtes Wasser. Back- und Steuerbords erschlossen sich Wassergrundstücke von denen man nur träumen kann. Es muss doch einen unbekannten Verwandten geben, der sein Wassergrundstück zufällig loswerden will?
Auf dem Dämeritzsee angekommen, fuhren wir vorbei an unserem Nachtlager der Wasserfreunde, um noch 14 km weiter Richtung Mittag zum Kiessee zu rudern.

Diese Fahrt war schön, denn hier begann die Ferne und ein Neuwasser nach dem anderen bahnte sich unseren Weg. Es wurde ruhig und wir genossen die Stille, die nur durch Detlefs, Udines und Heikos Singsang seine Vollendung fand.
Über das Flakenfließ kurz in den Flakensee, dann scharf rechts in die Löcknitz und ewig geradeaus. Hier gab unser erstes Bier bei einem Italiener, und das schmeckte einfach wunderbar.
in den Werlsee, vorbei an der Liebesinsel rüber in den Peetzsee und dann bis ans Ende des Möllensees. Dort in den Stichkanal. Hier waren die Gewässer vom letzten Sturm mit Geäst gefüllt, so dass unsere Steuerfrau Claudia gut zu tun hatte und klare Anweisungen ausstieß. Das kann sie gut. Nach der „Röhre“ noch den Kiessee bis zum Ende und am Campingplatz angelegt. Der Ausstieg war wie Keule sagte: „Oh, schon wieder ne Leiche.“
Die Kleinsten sind von unseren Booten begeistert

noch einmal durchgewischt 
Jetzt gabs erstmal n ordentliches Schnitzel oder auch zwei wer ein normales (großes) bestellt hatte und ein Eisbein für Udo, das ihm dann später quer hängen sollte. Die Bedienung war ruppig, aber echt und der Hausherr spendierte noch einen aufs Haus. Danke dafür.

noch n Bier!!!
endlich was zu essen

zufriedener kann man nicht gucken

Der Weg zurück in unser Nachtdomizil war dank Keule mit dem sinnlichsten Stück der Fahrt erfüllt. Die Alte Löcknitz, die ich steuern durfte, haarscharf hindurch mit Kappenmanöver und „steuer-, backbord über“ vorbei am Ursprung der Wasserläufe. Einfach Natur und sonst nichts.
Endlich angekommen bei den Wasserfreunden Erkner, im Dachboden eingewiesen, schmissen wir uns erschöpft und glücklich auf die Decken und veranstalteten eine Massenmassage. Keule hatte den Grill schon entfacht und bevor wir wieder was essen konnten durchschwammen wir den Dämeritzsee. Endlich waren wir nicht nur umgeben von Wasser, sondern waren auch mal drin. Angenehm kühl und rein. Und dieser Duft…Wasser.
Chillen
Der Abend wurde dann immer später, etwas betrunkener und sehr lustig. Was mit Schnik-Schnak-Schuk begann, endete mit Pantomime von Bruttosozialprodukt. Detlef hatte es erraten, was für ein Genie.
Blick auf die Alte Spree

Quatschen und Gegrilltes futtern



Gefühlt um eins im Bett, erwachten die gestandenen Hasen gefühlt um vier und schmissen uns gefühlt um sechs aus der Koje. Oh je, der Kopf und die Beine und die Arme. Aua, aber was solls. Macht man ja nicht alle Tage. Also ab in den See mit Undine, wo der Himmel zu versprochenen 30 Grad aufbrach. Erfrischt und 2 cm wacher zurück, stopften wir uns ne trockene Stulle in den Mund, packten gehetzt unsere 7 Sachen, denn die Hasen wollten los. Rudern? Haben wir das nicht schon gestern getan? Ja, Rudern. Endlich.
Rein, Zähne zusammenbeißen, einfach rudern, denn aufhören kann man ja nicht und dann tut auch irgendwann nix mehr weh. Es funktioniert.

Unsere Etappe sollte heute im Kalksee über den Flakensee münden, bevor es gen Heimat ging. Die Attraktion: Woltersdorfer Schleuse. Fantastisch. Groß, mit aufklappbarer Straße und DJ. Wir legten auf der Seite für die Sportboote an – das mißfiel aber der Schleuserin und rief uns aus die andere Seite zu nutzen. Wie auf dem Bahnhof. Lustig. Nicht lustig war, dass unser Steuer nicht mehr zu befestigen war, d.h. wir waren steuerlos. Aber nicht wirklich. Claudia kann ja gut Befehle geben und Helge verdrehte sich spitzenmässig den Hals. Wir ruderten mal Backe mal Steuer über.
An der Spitze vom Kalksee im Rüdersdorfer Ruderverein konnte unser Superman Heiko doch Tatsache das Steuer reparieren. Dafür brauchte er es nur anfassen. Der Wahnsinn. Wie macht er das bloß? Somit konnten wir getrost unsere Heimreise antreten und eine letzte Stärkung vor der Schleuse am Imbiss einnehmen. Heiko trampelte mit den Füßen. Ja, wir kommen. Mit vereinten Kräften geht’s einfach weiter.

Keule und Claudi und Pferd

plötzlich kam ein Cowboy und stellte sein Pferd ab

Über Flakensee und Flakenfließ, rein in den Dämeritzsee und den langen langweiligen Gosener Kanal, hinein in den schönen Seddinsee, der von einem endlos verzauberten Seerosenfeld bedeckt ist. Ab hier ist alles lang, erstreckt sich kilometerweit geradeaus und es wird lauter, denn es ist Sonntag. Sonntag und blauer Himmel. Und wie es an solchen Tagen ebenso ist. Boote, nochmal Boote, Sonntagsfahrer, Segler, Paddler, die ganze Palette. Es schaukelt, manchmal schön, manchmal hochseeartig. Aber eines ist gleich. Die Wellenverursacher haben noch nie in einem Ruderboot gesessen, denn sie verstehen nichts von der Verdrängung des Wassers bei hohen Geschwindigkeiten. Keule kann endlich motzen.

kurze Rast beim ESV Schmöckwitz

der Ältesten Rat tagt



Die letzte Pause machten wir wohl noch im Seddinsee am ESV, bevor es die letzten 14 Kilometer die Dahme (Langer See) und dann wieder in die Spree ging.
Obwohl der Sonnenstich nah war, die Glieder nicht mehr konnten und nun auch mal genug mit Rudern war, machte sich in mir eine Melancholie breit, da der Weg nur noch so kurz war. Ab jetzt wurde jede Bewegung noch einmal gespürt, das letzte aus den Muskeln gepresst und versucht so zu rudern wie es die Meister gelehrt haben.
Die Ankunft war nüchtern, alles raus aus dem Boot, matte Gesichter. Erst die Arbeit, dann die Freude. Vielleicht war es aber auch die Trauer darüber, dass es schon vorbei ist, denn angefühlt hat es sich viel länger.
Wir sprangen nochmal in die Spree, schwelgten im Vorabend und begossen ihn mit Geselligkeit.
So anstrengend es auch war. Rudern ist urig. Und sieht einfach toll aus (auch Heiko im Einteiler). Du setzt dich rein und fährst hin wohin du willst, aus eigener Kraft. Schön.

Der Abschied fällt schwer - also hängen wir noch vorm Bootshaus ab

Danke liebe TIB-Freunde. Danke für diese Erfahrung und die Möglichkeit daran teilzunehmen. Wir sind infiziert und machen weiter. So oder so!


2016 © Jana Utke

Freitag, 8. Juli 2016

TiB - TiB 2016

Das Wetter zeigt sich warm und sonnig und mit einer Crew von 9 Personen legen wir ab. Nicht mit 'nem Achter wie man vermuten könnte sondern mit zwei gesteuerten Vierern - einer fährt mit Loch.

Wir legen entspannt ab und rudern unsere erste Etappe bis zur Schleuse. Hebel umgelegt und es geht 20 cm abwärts. Aha. Aus der Schleuse raus schwimmen rechts und links tote Wasserratten neben uns. Wir denken die sind bei den starken Regenfällen in den den letzten Tagen in der Kanalisation ertrunken. Jedenfalls werden wir während unserer Fahrt noch diverse Kadaver von ihnen entdecken.

Beim Estrell begrüßen uns die ersten Partypeople die noch immer zu harten Beats am Ufer ihr ickstes Bier geniessen. Man prostet sich zu und schon sind wir um die Ecke. Dort ein Schlauchboot mit jungen Hüpfern – nein wir schleppen euch nicht ab.

Was ein Wetter - kurze Trinkpause

Vorsicht Baumstamm im Wasser - wenn es mal nur der wäre. Der Landwehrkanal ist leider auch ein fliessender Mülleimer. Die Leute werfen jeglichen Unrat in das Wasser. Gefühlte 20 Euro passieren uns in Form von Pfandflaschen. Von Tüten und Anderem Zeugs mal abgesehen - leider sehr schade. Die Tour vermiest es einem natürlich nicht, denn die diversen Brücken und bekannten Gebäude rechts und links bilden eine imposante Kulisse für unsere Tour.

Am Urbanhafen machen wir wie gewohnt eine kurze Pause und rudern anschliessend bei praller Sonne weiter Richtung Spandau.

Wie immer gemütlich hier.
Fahrtenleiter Udo muss noch ein bisl was managen
Hallesches Tor, Potsdamer Platz, Tiergarten - wir passieren diverse spannende Orte Berlins die man für gewöhnlich nicht vom Wasser aus sieht.

Der Ausflugsdampfer bremst etwas unsere Geschwindigkeit - überholen funktioniert hier nicht.
An seiner nächsten Dockingstation ziehen wir vorbei und rudern wieder mit gewohntem Schlag über den Kanal bis zur Caprivibrücke. Dort ist unser zweiter Rastpunkt mit Bier bei der ansässigen Gastronomie.

zweite Pause - nun folgt der Endspurt
Weiter geht es zur Charlottenburger Schleuse. Hier habe ich die Ehre auszusteigen und auf dem schmalen Festmacher zu balancieren und über Gegensprechanlage uns beim Schleuser anzukündigen - das muss doch in heutigen Zeiten entspannter gehen denke ich mir nur? Aber nicht meckern - nach 10 Minuten werden wir zügig geschleust.

Danach geht noch durch ein paar Wellenberge und mit einer harten Wende über Backe geht es in unseren Finaleinlauf. Tiefwerder wir kommen.

Thomas, Axel und weitere Tiefwerder-Ruderer erwarten uns mit lecker gedecktem Tisch. Doch vorher müssen die Boote gesichert werden. Der leichte Vierer geht an Land und den Geklinkerten lassen wir schwimmen.

Wie üblich zaubert Axel über dem Feuer wieder Leckeres und wir essen, plaudern, lachen und prosten gemeinsam bis in den späten Abend.

Lecker Grillgut und Fachsimpeleien mit den Ruderkameraden von Tiefwerder & Oranienburg

Am nächsten Tag heißt es zurück. Anders als sonst rudern wir anstatt über den Teltow-Kanal durch die Stadt zurück. sprich so wie wir gekommen sind. Das ist eigentlich nur aus einem Grund etwas unangenehm, weil einem die Fahrgastschiffe ständig entgegenkommen. Das bedeutet für uns  - nah an das Ufer fahren - teils mit Rudern lang dort zu halten bis der Klopper von Boot an uns vorbei ist und anschliessend weiterzurudern. Durch die vielen Kurven kann man oft nicht vorausschauend fahren was es immer zu einer kleinen Zitterpartie macht ob hinter der Kurve nicht ein Ausflugskreuzer mit vollem Karacho unter die Brücke fährt. Bei dieser Fahrt nicht geschehen - aber eine Woche später live so erlebt. Aber das ist eine andere Geschichte.

In Kreuzberg biegen wir nicht nach Neukölln ab, wo wir ursprünglich herkamen, sondern gleiten ruhigen Schlages weiter den Landwehrkanal runter bis zur Schleuse vor den Schlesischen Tor. Ich habe hier sogar Neuwasser - verrückt.

Nach der Schleuse kieken wir uns von der Spree natürlich die Oberbaumbrücke an. Dann aber geht es weiter die Spree hoch - am Badeschiff vorbei, auf der Hoppe-Tosse wird schon gefeiert (oder immer noch?), an den Molekuleman vorbei bis zur Insel der Jugend. Kurz darauf sehen wir das Eierhäuschen, welches endlich saniert wird.

Kurz darauf landen wir dann am heimatlichen Steg an. Die Boote werden routiniert geputzt und wieder in ihre Bootshalle gebracht. Wir freuen uns diese spannende Tour wieder gemacht zu haben. Berlin verändert sich teils so schnell das wir bei der Tour auch immer wieder neues entdecken können.

Bereits eine Woche später fuhr ich die Tour mit Kölner Gästen erneut. Auch diese waren begeistert. Doch das sollen sie mal schön selbst erzählen ;-)

2016 © Helge Kubath
















Donnerstag, 7. Juli 2016

19. Müggelsee - Achterregatta

In dem folgendem Video könnt ihr euch unser Rennen aus der Spitze heraus ansehen. mit der Maus einfach ziehen, dann könnt ihr euch umsehen. Mit dem Handy bitte die YouTube App benutzen und sich samt Telefon in der Gegend umschauen. Zum Ende kommt ein spannender Zweikampf ;-)

 

Donnerstag, 9. Juni 2016

27. Oderumfahrt

Udo hat zur traditionellen Oderumfahrt gerufen. Da ich diese Fahrt noch nicht kenne will ich dieses Jahr erstmalig teilnehmen. Gleich vorweg - ich habe etwas Sorge das ich die Tour nicht durchhalte, da sie doch extrem lang ist.
Am 25. April 2016 trafen sich alle Teilnehmer im Bootshaus der TiB Oberspree. Wir hatten bereits an dem Wochenende zuvor alles vorbereitet. Bootscheck, Positionslichter, Werkzeug- und Verbandskoffer - man weiß ja nie.
Die Mannschaft bestand aus: Hansi aus Halle, Roman vom Ruderclub Anklam,  Peter und Björn aus Dänemark sowie Andreas, Herbert, Klaus,  Fahrtenleiter Udo, Thomas, Keule, Jens und meiner Wenigkeit Helge. Später kam noch noch Frank dazu und ersetzte Hansi.

erstes Gruppenbild bei Richtershorn

Unsere erste Etappe führte uns über bekannte Gewässer: Dahme, Seddinsee und Oder-Spree Kanal bis zur Wernsdorfer Schleuse. Ab hier habe ich Neuwasser.  "Das Wetter scheint uns wohl gesonnen." sag ich. Im Sonnenschein gleiten wir den Kanal hinunter.
Doch nur kurz darauf hätte ich mich ohrfeigen können für diese Bemerkung. Der Wind frischt auf und bringt uns zum bibbern. Doch damit nicht genug fängt es an zu regnen.
Die Sibirischen Winde haben es in sich. Der Regen wechselt zu Graupel und "schneit" uns quasi ein. Doch wir rudern weiter den Kanal runter bis Fürstenwalde. Endlich angekommen klart das Wetter auch wieder auf. Hier parken wir die Boote beim Ruderverein Fürstenwalde.
Der Werkzeugkasten findet direkt abends noch seinen ersten Einsatz. Ein Rollsitz will nicht mehr so wie wir es wollen.

Rollsitz will nicht mehr
Unser Quartier in der ersten Nacht

Skulls


In der Stube bei Fürstenwalde

Am nächsten Morgen regnet es und die Kameraden wollen nicht so recht auf's Wasser.
Hilft alles nichts. Die Boote werden kurz ausgeschöpft und zu Wasser gelassen. Platsch auf den nassen Rollsitz gesetzt und los geht's in die Zweite Etappe.

Es regnet und wir rudern eisern den Oder Spree-Kanal weiter gen Osten. Wieder 100 Meter. Der Kanal ziiieeeeht sich. Ständige Kilometerangaben am Rand machen die Strecke nicht kürzer. Es regnet nach wie vor. Mal stärker - mal nur Niesel. Aber nicht einmal lässt sich die Sonne blicken. Dazu pfeift immer wieder ein eiskalter Wind durch die durchnässten Klamotten. Diese Etappe ist lang - zirka 84 Kilometer müssen wir bewältigen.

Funktionskleidung 1.0 - benötigt unbedingt ein Update
Pitsche Patsche Nass - Stimmung geht so!

In der Zwillingschachtschleuse in Eisenhüttenstadt angekommen haben wir bereits 9 Stunden im Dauerregen gerudert. Nichts trockenes haben wir noch am Körper. In der Schleuse wird einem ohne Bewegung schnell richtig kalt. Doch zusätzlich pfeift jetzt ein Wind mit Minusgraden über uns hinweg. Zitternd halten wir uns an den Schleusenwänden fest. Doch es geht nicht los. Es dauert ewig bis der Schleusenwart die Tore schliesst und uns die 14 Meter hinunterschleust. Immerhin verzichtet er auf das langwierige Ausgleichsverfahren wofür die Schleuse eigentlich bekannt ist, sondern er macht eine schnelle Schleusung. Mit gutem Tempo geht es bergab.

Kurz nach der Schleuse legen wir wie geplant an und kehren in eine Gastwirtschaft ein. Solche armen Gestalten hatte die Bedienung wohl auch noch nie gesehen. Alle triefend nass und vor Kälte zitternd betraten die Gastronomie. Wegen der nassen Klamotten gab's Stühle mit Handtüchern als Überzug und eine Extra Ecke wo wir in Ruhe uns aufwärmen konnten. Nach einem Lecker-Essen und ein/zwei Grog kehrte wieder Leben in die ausgezehrten Gesichter.
Als wir das Restaurant verließen konnten wir unseren Augen kaum trauen. Die Sonne schien - zum ersten mal heute. Alle wieder in die Boote gehüpft und weiter - jetzt ist es nicht mehr weit bis Frankfurt Oder. Kurz darauf ging es auf die Oder und die Strömung unterstützte uns auf die letzten Kilometer. An der Einfahrt zu unserem Quartier musste man sich nochmal ordentlich gegen die Strömung stemmen, doch die Aussicht auf eine warme Dusche weckte die letzten Reserven in uns.

Nachdem die Boote entladen, jeder ein Plätzchen zum Schlafen gefunden hatten wurde geduscht und ein kurzer Abend noch mit Bier beschlossen. Lange konnten wir nicht aufbleiben. Morgen hieß es um fünf Uhr aufstehen und 108 Kilometer bestreiten.

Wecker klingeln. Die Dritte Etappe kräht.
Es ist 5 Uhr morgens als wir den Steg betreten. Es beginnt gerade zu dämmern – der Mond ist derzeit noch das Hellste am Himmel.
Die Nacht war kalt. Steg und Boote sind vereist. Herbert bemerkt es zu spät und fliegt rücklings auf den vereisten Steg. Autsch. Das tat weh.
Vorsichtig sammeln wir alles zusammen und lassen vorsichtig die Boote zu Wasser.
Die vereiste Bootsleine biegen wir in das Boot und legen mit dem ersten Sonnenstrahl ab.



vereiste Skulls im Vordergrund, Mond im Hintergrund

Vorsichtig tapsen - is glatt

Von kalten Winden begleitet rudern wir die Oder hinab. Das Wetter zeigt sich typisch für den April weiterhin wechselhaft, doch bleiben uns Dauerregen und Graupel heute erspart.

Wir nutzen die Strömung der Oder um zügig voranzukommen. Steuermannswechsel erfolgen mangels Anlegemöglichkeiten fast ausschliesslich auf dem Wasser. Es ist ein Schauspiel das Gekrebse an Bord mit anzusehen.
Aber auch wenn sich Möglichkeiten bieten einmal anzulegen ist das leichter gesagt als getan. Die Strömung ist derart stark das man einen Steg nur schwerlich erreicht.
Sonnenaufgang auf der Oder
Unser Beiboot oder: "Oder" auf der Oder

Am Oder-Havel-Kanal einmal scharf Backbord und wir haben wieder ruhige Wasser.

Auf der "Wriezener Alten Oder" ging es weiter Richtung Schiffshebewerk Eberswalde Finow.
Dort angekommen kam mein persönliches Highlight dieser Fahrt. Das Hebewerk kenne ich noch aus alten Kindheitstagen und weiß wie sehr es mich damals beeindruckt hat. Damals noch als Zuschauer von ganz oben kann ich heute erstmals in dem Bottich nach oben fahren. Ich bin extrem gespannt und teile meine Erfahrung Live auf Facebook mit anderen - die moderne Technik macht es möglich.
Es geht hoch - 36 Meter werden wir nun in dem Bauwerk von 1934 emporgehoben samt den 4290 Tonnen die der Trog samt Wasser wiegt. Nur 256 Stahlseile halten dieses Monster. Wer mehr zu dem Hebewerk erfahren möchte, dem sei der sehr umfassende Wikipedia Artikel empfohlen.

Links das alte Schiffshebewerk, Rechts das Neue im Bau
Im Schiffshebewerk - icke gerade am Live streamen

Blick nach oben

Ein bisl fertig sind wa schon nach ca. 100km heute

Ausfahrt Schiffshebewerk Eberswalde/Finow
Auf dem Oder-Havel Kanal oben angekommen geht es nur noch ein kurzes Stück bis Eberswalde.
Im dortigen Kanuklub Empor gastieren wir und feuern als erstes den Kamin an um die nassen Sachen erneut zu trocknen und nicht zu letzt uns selbst zu wärmen. Bei Bier und Schnaps (Neuwasser - ständig) gratulieren wir uns gegenseitig die längste Etappe von 108 Kilometern überstanden zu haben. Aber auch die erfahrenen Umfahrt-Teilnehmer sind sich einig - so hart wie dieses Jahr war es noch nie.
Foto ist selbsterklärend - oda?

Auf den Matratzen im Kraftraum und den Umkleiden verteilen wir uns uns bereiten uns auf den nächsten Tag vor.  Aus jetztiger Sicht ein kurzes Stück bis Oranienburg.

Die Vierte Etappe startet trocken (Das muss hier wirklich hervorgehoben werden). Am Steg versammeln sich alle für ein schönes Gruppenfoto und dann geht es in die Boote.




Gruppenfoto (nur icke fehle -muss knipsen)

Auf dem in den letzten Jahren extrem verbreiterten Kanal ist es nicht ganz so spannend wie in natürlich belassenen Gewässern - aber immerhin sind wir über eine Bahntrasse gerudert (leider sieht man das aus dem Boot nicht - da wäre mal eine Drone nett gewesen).

Ich merke das die langen Etappen nicht spurlos an mir vorüber gegangen sind. Mein Handgelenk schmerzt -Sehnenscheidenentzündung vermute ich. Das drehen der Skulls wird zunehmend schwieriger und mein Gelenk wird sichtbar dick. Mist!

Es hilft alles nichts - ich muss mit stehendem Blatt fahren. Das ist extrem nervig, weil man doch das ein oder andere mal an einer Welle hängenbleibt.

Wir erreichen die nächsten Schleuse. Hier ist schurren angesagt. Wir versuchen das Boot an einem Pfeiler bereit zu halten. Die starke Strömung von der Schleuse macht uns das nicht einfach. Als die "Spree" fertig übergesetzt hat dürfen wir mit dem Modulboot "Oder" einfahren. Als Fünfer+ ist es etwas zu lang für die Schurre und wir müssen die Spitze von Hand tragen um dem Boot keinen Schaden zuzufügen. Nach einigen Keilereien wie man es richtig macht sind wir nach wenigen Minuten trotzdem wieder auf Kurs und haben unbeschadet den nächsten See erreicht.

Ich darf vorzeitig wieder auf den Steuerplatz um meine Hand zu schonen. Wir steuern auf Oranienburg zu und legen am Steg an. Im Vereinssaal ist der Ofen schon gut am böllern und wir suchen uns alle unsere Ecke auf dem Boden. Zum Klönen ziehen wir rüber in das "Hafenbüro". Dort feiern wir sehr ausgelassen und lange, denn jeder weiß - morgen haben wir frei.

Steg Oranienburg
im Hafenbüro
Keule und Icke


Keule und Udo

Was man an solch einem Abend alles erfährt ist in einem Text gar nicht schnell wiederzugeben. Was aber direkt mit dieser Tour ein interessanter Aspekt war ist, das diese Tour nur durch den Mauerfall geboren wurde.
Ursprünglich war die Idee in den 80er Jahren mit Ruderkameraden von der TiB (damals KWO) geboren worden. Frank wollte zu seinem Grundstück bei Oranienburg rudern. Leider war das einem durch die Berliner Mauer verwehrt. Eine alternative Route hätte alle Dimensionen gesprengt.

Doch kaum war die Mauer im November 1989 gefallen war die Idee wieder zu Leben erwacht und bereits im April 1990 mit den ersten wärmeren Temperaturen startete die erste Oder-Umfahrt. Am Nieder-Neuendorfer-See kam es dann tatsächlich sogar zu einer Grenzkontrolle auf dem Wasser – die DDR war ja noch existent. Die DDR Grenzbeamten hatte einen Schwimmsteg aufgebaut und ließen die komplette  Bootsbesatzung dort aussteigen. Das Gewicht der vielen Ruderer hatte der Beamte aber nicht mit einkalkuliert und so sank der Ponton mit jedem Kameraden mehr und mehr, so dass der "Sheriff" mit seinem Füßen schnell im Wasser stand. Er ließ lieber schnell wieder alle einsteigen bevor er komplett im Wasser versank. Der sprichwörtliche Untergang der DDR.

Das ist nur eine von vielen Anekdoten die ich hören durfte - doch diese gefiel mir am besten weil sie auch den Ursprung der Fahrt am besten vermittelt (ich hoffe ich habe es halbwegs richtig wiedergegeben - war schon sehr spät an dem Abend).

Am folgenden Tag wurde nicht gerudert sondern wir ließen es und gut gehen und gingen in den Turm - eine Wellness-Oase mit diversen Saunen und Schwimmbädern.
Nur Keule und Andreas wollten lieber auf Welle sein (auf Achse kann man ja nicht sagen) und verbrachten den Tag lieber mit einer Ausfahrt zum "Schwan" (Restaurant im Ruderrevier Oranienburg).

Alle Anderen genossen die warmen Temperaturen in der Sauna - seit Tagen waren wir unterkühlt gerudert, wurden vom Eiswinden gepeitscht und mussten Stunden in nasser Kleidung verbringen.
Im warmen Whirlpool oder einer Sauna mit speziellem Aufguss erholten sich die Körper von den Strapazen der letzten Tage. (von dieser Etappe gibts logischerweise keine Bilder :-)

Für meine Hand hatte ich inzwischen auch eine spezielle Salbe erhalten die meinem Handgelenk gut tat.

Hansi verließ uns an diesem Etappenziel und reiste mit der Bahn via Berlin zurück nach Halle. An seiner Stelle stemmte ab sofort Frank die Skulls im Boot.

Am Samstag startete dann die fünfte Etappe Richtung TiB Tiefwerder.
Zuerst ging es die Havel weiter hinunter bis zum Ruderclub Oberhavel (RCO). Hier kurze Rast und weiter bis Berlin. Dabei passierten wir die Stelle an der die besagte Grenzkontolle stattfand. Noch heute liegen in den Durchfahrten zum Nieder-Neuendorfer-See die versenkten Schubeinheiten. Diese sollten das durchtauchen verhindern. Auf den "Schwimmhafenwiesen" patrouillierten Hunde und gaben Alarm wenn jemand den Fluchtversuch wagte.

Inzwischen gibt es einen Durchbruch und wir können ungehindert weiter der Havel folgen und kurz darauf unseren nächsten Stopp bei Saffonia halten. Unsere Dänemarker sind dort wohl sogar Mitglied - wenn ich das richtig verstanden habe. Dort jibt's lecker Wiener und Gehopftes.
Da  der Verein kürzlich fusionierte mit dem RV Preussen gibt es auch eine neue Flagge. Diese wurde uns feierlich für unser Clubhaus überreicht.
feierliche Flaggenübergabe bei Saffonia
Anschliessend weiter mit einem Abstecher zum RC Tegel machen, wo wir gemütlich zu Mittag essen konnten. Von der Veranda des Vereins konnten wir Moby Dick sehen – DAS Ausflugsschiff schlechthin in Berlin. Jeder kennt es.
Moby Dick
Wieder ruff uff's Wasser und die Perlenkette von Motorbooten gekreuzt.

Thomas mit seiner Spezialmischung
Abends in Tiefwerder angekommen hatte Axel lecker gegrillt und Thomas für das flüssige Wohl gesorgt. (Unsere Crew in Tiefwerder weiß was es nach so einer Tour braucht!)
Wir saßen noch lange um die Feuerschale und quatschten über Gott und die Welt.
gemütliche Runde bei Tiefwerder

Das klönen rund um die Feuerschale - Tradition!
Sechste und Letzte Etappe: über den Teltowkanal zurück zu TiB. Hier kann ich gar nicht viel berichten, da ich an diesem Tag Landdienst hatte und somit in keinem der Boote mitruderte. Aber ich kann euch aus meiner Erfahrung der letzten TiB-TiB Touren sagen wie schön diese Strecke ist, mit einer wunderschönen Schleuse und am Tempelhofer Hafen haben meine Ruderkameraden wie immer für einen Imbiß gehalten.
Schleuse Kleinmachnow

schön festhalten…




Tempelhofer Hafen
Ich konnte Sie dann in unserem Ruderrevier an den Brücken abpassen und somit auch mal Fotos von ausserhalb des Bootes machen.
Am Heimathafen wieder angekommen mussten die Boote von einer Woche Tour gründlich geputzt werden und das Nachher Foto durfte natürlich auch nicht versäumt werden. 388 Kilometer haben wir gemeinsam in sieben Tagen zurückgelegt. Eine spannende Tour. Eine Tortour. Ein Abenteuer.
Schon fast am Ziel noch eine kurze Pause auf dem Wasser - ich winke vom Ufer

Mit Sonne ist die Stimmung wieder tippi-toppi

Einfahrt in den Heimathafen bei der TiB Oberspree
das besagte Nachher Foto
Vor zwei Tagen dachte ich mir noch - "Warum tust Du Dir das an?" oder "Das machst Du nie wieder!". Doch inzwischen denke ich nur daran welche Klamotten wohl nächstes Jahr praktischer wären um Nässe und Kälte zu trotzen.

2016 © Helge Kubath