Mittwoch, 8. Mai 2019

30. Oderumfahrt



Fahrtenbericht zur 30. Oder-Umfahrt vom 27. April bis 03. Mai 2019

Und schwups! Schon isset vorbei und alle ham se braune Gesichter und braune Hände, obwohl die Sonne sich eher mittelmäßig blicken ließ. Seis drum. Det war ne schaue Nummer und der Frauenanteil auf dieser 30. Oder-Umfahrt hat sich dramatisch um 50% erhöht. Ganze zwei Damen haben sich neben 14 Männern in die Stemmbretter geschwungen! Ne bunte Mische waren wa, da es sich bei dieser TiB-Tour um eine Einladungstour handelt. Da hat der jute Udo Frieske all seine Lieblingskameraden aus Jahrzehnten Ruderei zusammengebracht mit dem Ziel die Tradition aufrechtzuerhalten und natürlich Kilometer zu sammeln 😜 
Mit am Start waren neben bewährten TiB’lern, Herrschaften vom Richtershorner Ruderverein, von Turbine Grünau, vom RC Birkenwerder, ein Herr aus Schwerin und auch zwei Dänen aus dem Roklubben Viking. Bis auf meine Wenigkeit und Kay von Turbine ham se die Tour alle schon mehr als mehrmals mitjemacht. Die Spree, die Havel und die Werlsee sollten unsere Boote werden.
Jens kann es kaum noch erwarten


Tag 1: Samstag, 27. April 2019, 59km
08:00 Uhr. Das Wassersportzentrum füllt sich mit Damen und Herren, welche letzte Packvorkehrungen vornehmen, ein kleines Frühstück zwischen die Beißer schieben, zu spät kommen oder spontan absagen. Letztere tauchen natürlich nicht im Bootshaus auf. Auto plus Anhänger werden mit Sack und Pack gefüllt. Den ersten Landdienst übernimmt der Herr Fahrtenleiter Udo. Bevor es in die Boote geht findet eine kleine Überraschungsrunde statt. Die „30. Oder-Umfahrt“ steht auf jeder der zudem namentlich versehenen roten Mützen, die uns Udo in die Hände drückt. Unsere Ohren sollten auf dieser Fahrt somit definitiv warm bleiben und für Schuhüberzieher wird auch gesorgt, sodass nasse Füße von vornherein ausgeschlossen werden können. Beide Utensilien werden sich auf der Fahrt noch bewähren.
gleich wird abgelegt
Nach der Bootseinteilung werden die Boote zu Wasser gelassen und die lange Reise beginnt. Erste Station noch in heimatlicher Nähe ist der Richtershorner Ruderverein, wo das erste Bier die Speiseröhre hinabwandert und das ausstehende Frühstück nachgeholt wird. Als wir von der Dahme auf den Oder-Spree-Kanal gelangen, wächst das Gefühl, dass es nun richtig losgeht. Die erste Schleuse kommt in Sicht. Zwei weitere werden wir an diesem Tag noch passieren. Es gibt nämlich eine große Neuerung auf dieser Tour. Die erste Übernachtung soll nicht in Fürstenwalde stattfinden, sondern eine Station weiter in Kersdorf, wo uns während der Einfahrt in die Schleuse Udo feierlich begrüßt. In einem herrlich eingerichteten Café direkt bei der Schleuse bekommen wir unser Abendessen. Es gibt hausgemachte Linsensuppe und Quiche. Ein Traum. Die Übernachtung findet in einem beschaulichen Ferienhaus mit ECHTEN Betten statt. Bevor ein jeder zur Ruhe geht, wird draußen noch etwas beisammengesessen und Pläne für zukünftige Rudertouren geschmiedet. Die Ruderer sind von der Hospitalität mehr als angetan.
endlich auf dem Wasser
"Ruderer lang"

Tag 2: Sonntag, 28. April 2019, 66km
Um 07:30 Uhr erwartet uns im Café an der Kersdorfer Schleuse ein feines Frühstücksbüffet mit frischen Brötchen, Aufstrichen, Müsli, Kaffee und Saft. Der körperlichen Anstrengung wird hier durch die liebevoll angerichteten Teller entgegengewirkt. Vielen Dank dafür! An diesem Tag erreichen wir die Oder und passieren Eisenhüttenstadt. Die Landschaft ist gesäumt mit industriellen Bauten, welche teilweise dampfende oder zischende Geräusche von sich geben, wobei Keule meint, dass es erstaunlich leise sei. Eine erschreckend tiefe Schleuse erwartet uns in Eisenhüttenstadt. Es dauert ein Weilchen bis wir den tiefsten Punkt erreichen. Bis dahin werden wie immer in einer Schleuse Fotos geschossen oder Klopfer vernichtet.
Die Mittagspause findet noch auf dem Oder-Spree-Kanal im Restaurant „Zum Kietz“ bei Fürstenberg statt. Riesige Schnitzel werden hier aufgefahren, ebenfalls sehr zu empfehlen ist der Spargel mit Sauce Hollandaise. Nachdem der Hunger gestillt und das ein oder andere Dessert verspeist wurde, geht es wieder in die Boote. Es sind nur noch 30km bis zum Ruderverein in Frankfurt (Oder) bei Kilometer 584. Die Boote werden hier direkt im Wasser gelassen, denn uns erwartet ein morgendliches Wecken um 03:30 Uhr. Manch einer genießt sein Abendessen und schmiert sich sein Stullenpaket für den morgigen Tag. Ein richtiges Pausieren soll es erst nach den 80 km Oder stromabwärts geben. Dieser Abend währt deshalb nicht allzu lang. Die meisten gehen bereits 22 Uhr zu Bett.

Kanal, Kanal und immer noch Kanal

eine von vielen Schleusen

Tag 3: Montag, 29. April 2019, 108 km
01:45 Uhr. Welch ein Horst hat seinen Wecker auf diese Uhrzeit gestellt?! Udo springt auf und macht das Licht an: „Aufstehen!“ Say what?! Nach einem Uhrzeitabgleich geht das Licht wieder aus: „Weiterschlafen!“ Doch ein Einschlafen ist kaum noch möglich. Niemand hat sich bis dato geoutet seinen Wecker falsch gestellt zu haben. In müder Stille nimmt jeder sein Frühstück zu sich. Die Boote legen um 05:00 Uhr in der Morgendämmerung ab. Ein magischer Schleier liegt über der Landschaft, als die Boote in die Oder einbiegen. Noch ist alles still. Ein bewölkter Himmel und eine wunderschöne Landschaft begleiten uns den ganzen Tag. Um acht Uhr erreicht der Tag seinen Helligkeitshöhepunkt. Erste Tropfen fallen hernieder, welche sich irgendwann in einen bestätigen Regen verwandeln. Kein Problem. Bis sich ein aufbrausender Wind aus dem Norden dazugesellt und unsere Boote arg ins bremsen bringt. Hatte man mir von einer schnellen Tagestour mit 12 bis 15 km/h erzählt, stellt sich unsere Geschwindigkeit auf etwa 8 km/h ein. Für die ersten 40 km brauchen wir geschlagene 6 Stunden! Zwar hört der Regen irgendwann auf, aber der Gegenwind ist unablässig. Erst bei Kilometer 667 können wir endlich in den Kanal zur Schleuse in Hohen Saaten abbiegen. Welch eine Erleichterung! Der Kampf gegen Wind und Wellen hat endlich aufgehört! Als sich die Schleusentore öffnen, scheinen wir im Paradies zu landen. Der mit Wolken bedeckte Himmel weicht warmem Sonnenschein. Das Wasser ist still. In Oderberg begrüßen uns Christian und Hilmar mit leckerem Kuchen vom Bäcker. Mit wackligen Beinen steigen wir aus dem Boot und machen uns auf weitere 16km bereit. Die Landschaft bleibt traumhaft bis zum Schiffshebewerk Niederfinow. Wunderschöne Gärten und niedliche Häuser säumen den Oder-Havel-Kanal. Nachdem die beeindruckende Konstruktion des Hebewerks bewundert wurde und wir 36 Meter hochgeschleust wurden, ziehen sich die letzten 8 km eine kleine Ewigkeit. Gegen halb acht erreichen wir den Kanuverein Eberswalde. In der Küche flackert ein warmes Kaminfeuer, während wir unser Abendessen zu uns nehmen.

kleiner Zwischenstopp zwischen den Buhnen, die Oder hatte sehr wenig Wasser
Schiffshebewerk Niederfinow
Wir hatten mit dem Wetter echtes Glück - meistens jedenfalls
Tag 4: Dienstag, 30. April 2019, 58km
07:00 Uhr. Mit steifen Gliedern erheben sich die Ruderer, um die letzte Tagesetappe vor unserem wohl verdienten Ruhetag anzutreten. Nach einem Frühstück mit frischen Brötchen geht es weiter auf dem Oder-Havel-Kanal, welcher sich ein Weilchen zieht. Um Abwechslung zu gewinnen entscheidet sich die Werlsee auf einen Abstecher über den wiedereröffneten Werbellinkanal, welcher sich mit schmalen Brücken in angenehmen Windungen durch eine naturbelassene Landschaft zieht. Keule freut sich wie Bolle über sein Neuwasser. An der Schleuse zum Langen Trödel treffen sich die Boote wieder. Das Neuwasser geht für einige Ruderer hier weiter. Der Lange Trödel schlängelt sich durch eine schöne Baumlandschaft. Wir passieren einige Brücken mit einer Höhe von 1,5 m, wo der ein oder andere ängstlich den Kopf einzieht. Hängen bleibt keiner. In einer Imbissbude in Liebenwalde wird Gulasch oder eine Bratwurst getilgt. Die über die Menge der Ruderer überraschte Küchenfee schafft es nach einer Weile alle Mägen zu füllen. Nach einer Handschleusung gelangen wir wieder auf den Oder-Havel-Kanal. Allen voraus die Havel. Schließlich gelangen wir zur Schleuse Oranienburg, wo ein Boot nach dem anderen geschurrt wird. Fingerspitzengefühl des Steuermanns ist hier gefragt, da der Eingang zur Schurre recht schmal ist. Nun gilt es nur noch drei Kilometer über den Lehnitzsee zu rudern bis wir freundlich von Frank und Eric vom Ruderclub Oranienburg empfangen werden. Die zwei helfen dem unkoordinierten "Pack" die Boote aus dem Wasser zu tragen, diese schließlich abzuriggern und auf einen Anhänger zu montieren. Aufgrund einer Bombenbergung kann zurzeit kein Ruderboot zwischen Oranienburg und Birkenwerder passieren. Die Boote werden dankenswerterweise von unserem Mitruderer Christian zum Birkenwerder Ruderverein transportiert. Da der Ruhetag auf einen Feiertag fällt, geht Landdienst Thomas essentielle Einkäufe für den morgigen Tag tätigen. Was an diesem Abend alle höchst erfreut: Es gibt Pizza! Für alle aus der Fahrtenkasse gesponsert! Da lässt sich keiner auf die Füße treten. Auch nicht der liebe Keule, der sich mit seiner 80cm-Durchmesser-Pizza wohl etwas überschätzt hat. Es gab einiges an Gelächter und unsere Dänen spendieren nen Packen Dosenbier als Neuwasserlage. Als die letzten Sonnenstrahlen die Landschaft verlassen, sammeln sich die Ruderer im Hafen-Büro. In dem kleinen Schuppen tummelten sich wohl noch nie so viele Leute. In der Ecke ein kleiner Gasofen. In der kuschlig-lauschigen Atmosphäre werden Geschichten über die Vergangenheit ausgetauscht. Insbesondere über die Anfänge der Oder-Umfahrt gibt es viel zu berichten. Sehr beeindruckend, wie alles anfing. Ohne Landdienst, mit pitschnassen Baumwollzelten, mit Grenzposten auf schwimmenden Stegen, herzlicher Gastfreundschaft und einem Ausschöpfen der Boote im 500-Meter-Takt.

Tag 5: Mittwoch, 01. Mai 2019, Ruhetag
08:00 Uhr. Die Rudergemeinschaft ist höchsterfreut über den freien Tag. Ab geht’s in die Sauna für den Großteil der Meute. Hier werden die Glieder bis ins Mark durchgeheizt und die Haut im Blubberbad abgeblubbert. Andere setzen sich tatsächlich ins Ruderboot – the show must go on! – oder man geht Oranienburg erkunden, passiert einen Marathon, und sitzt stundenlang im Hafenrestaurant. Alles dabei. Klar ist, dass abends alle wieder beieinandersitzen und sich Fleisch vom Grill zugute führen. Auch dieser Abend endet im lauschigen Hafen-Büro der Oranienburger, wo über aktuelle Bauvorhaben der Bundesregierung philosophiert wird oder die Strecke der kommenden TiB-TiB-Tour durch Berlin analysiert wird.

chillen am Wasser

Tag 6: Donnerstag, 02. Mai 2019, 32km
07:00 Uhr klingeln zehn Wecker gleichzeitig. Frühstück. Auto beladen und ab die Post zum Birkenwerder Ruderverein, wo in erstaunlich flüssigen Bewegungen die Boote für den Tag prepariert werden. Heute wird’s chillig. Vorbei an versunkenen Schubern, die die ehemalige Grenze darstellten ist der erste Halt der RCP Saffonia, worüber sich unsere zwei Dänen Peter und Bjørn besonders freuen, da dies ihr Verein in Deutschland ist. Hier gibbet Bockwurscht mit Senf und Schrippe und eine erstaunlich lange Pause. Perfekt, um sich über das Reisen auszutauschen und Witze zu reißen. Als es dann weitergeht zum RC Tegelort bleibt es nicht aus, dass unsere geliebte Claudi beim Boot vom Steg wegdrücken ins Wasser plumpst! Mit der schweren Steuermannsjacke an erhält sie zum Glück augenblicklich Hilfe aus ihrer Mannschaft und wird aus dem Wasser gezogen. Und glücklicherweise hat sie auch ausreichend Wechselklamotten bei. Letztlich ham wa alle ordentlich drüber lachen können. Is ja sonst auch mega langweilig die Tour jewesen. Allet läuft reibungslos, alle Schleusen schalten auf grün, sobald wa se erreichn, der Zeitplan wird die janze Zeit einjehalten – endlich ham wa ma wat zu erzähln hier 😜 Definitiv hat Claudi mit ihrem Outfit, dass se danach anhatte den „Contest of the am dicksten und buntesten angezogenen Steuermann“ gewonnen! Einfach 1A 😆
Nächster Halt dann RC Tegel wo eine neue Wirtschaft uns mit Leberkäs, Kartoffeln mit Quark, Boulette mit Bratkartoffel und einem deliziösen Rhabarber-Streuselkuchen verköstigt. Schließlich drehn wa noch ne Runde um die Zitadelle Spandau und landen nach der Schurre in Spandau auf der Havel. Letzte Übernachtung dann bei unseren Freunden in TiB Tiefwerder. Thomas begrüßt uns und heizt für uns Haus und Hof ordentlich an. Sowohl der Ofen lodert, als auch die Feuerschale draußen, wo die letzten Knabbereien gefuttert werden, die bisher nur hin- und herkutschiert wurden. Jeder bündelt nochmal seine Kräfte für die letzte Tagesetappe.

an der Zitadelle Spandau

Tag 7: Freitag, 03. Mai 2019, 55km
07:00 Uhr. Nach `m letzten gemeinsamen Frühstück legt ein Boot nach dem anderen ab. Man grüßt Herrn Lehmann und landet schließlich aufm großen Wannsee, wo uns die Wellen doch ganz schön zu schaffen machen. Nach den ersten 14 km finden sich die Boote wieder auf’m kleinen Wannsee. Hier ist das Wasser schlagartig ganz ruhig. „Grade Sitzen! Die Wasserschnüffelpatrouille ist im Anmarsch!“, befehligt uns Steuermann Kay. Beim SchülerInnen Ruderverband warten wir etwas länger auf die Havel, die schwer im Wasser liegt und einige Wellen abbekommen hat. Als alle Boote wieder beisammen sind, wird die letzte Schleuse der Etappe in Kleinmachnow anvisiert. Hier haben alle Ruderer die Gelegenheit sich ein paar Brote zu genüge zu tun oder im Gebüsch zu verschwinden. Etwa eine halbe Stunde warten wir, bis die Ampel grün wird. 
warten auf Grün an der Schleuse Keinmachnow
Es heißt nun vornehmlich Teltow-Kanal, Teltow-Kanal, Teltow-Kanal. Kurz wird darüber nachgedacht die Mittagspause im Tempelhofer Hafen zu streichen, was jedoch vehement abgeschlagen wird. Im Hafenbecken kehren wir im türkisch anmutenden Marti-Fischrestaurant ein. Dorade und weiteres vom Grill wird hier empfohlen und von dem warmen Fladenbrot kann ich gar nicht genug bekommen. Eine gute Entscheidung hier noch einzukehren und die Tour Revue passieren zu lassen. Als wir nach letztem Steuermannswechsel bei Wiking schließlich in den Endspurt Spree abbiegen, begrüßen uns sich aufwiegelnde Wellen von allen Seiten. Welcome home! Nach dem Schi-Scha-Schaukel-Trip über die Spree gelangen wir an unseren Heimathafen genau zum Ende des Trainings unserer Junioren. Welch eine Freude die jungen Freunde wiederzusehen! Nun gilt es die Boote noch auf Vordermann zu bringen und eine Mängelanalyse vorzunehmen. Fix und fertig verabschieden wir uns voneinander. Auf ein Neues und bis bald! Die Tour hat nun ihr Ende gefunden und jeder von uns trägt 385km mehr aufm Buckel.
Aufregend war’s. Körperlich, wie geistig. Richtig gut sind se im Meckern, Glauben und Besserwissen die Herrschaften, aber auch im Lachen, Witze reißen und herzlich und hilfsbereit sein. Danke an euch alle für diese einzigartige Tour! Bin gerne wieder dabei! Ein ganz besonderer Dank geht an Udo für die tolle jahrelange Organisation dieser mächtigen Tour! Wer wird nur in deine Fußstapfen treten? Denn noch einmal möchte der Gute das nicht übernehmen. Wäre zu schade, wenn diese Tour abgeblasen werden müsste. Freiwillige vor!
Und ich appelliere an die junge Generation und die Damen der Rudergemeinschaft. Macht mit! Die Fahrt lässt an persönliche körperliche Grenzen stoßen und ist gleichzeitig für jeden, der gerade in einem Boot sitzen kann, überaus machbar. Die Landschaft ist abwechslungsreich und birgt viele Geschichten, die uns die Alten gerne erzählen. Und wem können die Alten die Geschichten erzählen, wenn keiner von uns da ist? Und wer soll eine frische Brise zwischen die Reihen der Alten wehen, wenn kein Wind aufkommt?
nach so viel Kilometern darf man sich auch mal strecken

2019 © Undine Habermann

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Stralsund 2018

Stralsunder Bodden
Auch dieses Jahr hieß es für die Jugendlichen und uns an die Ostsee zur Wanderfahrt zu fahren.  Aufgrund von Quartierschwierigkeiten in Wolgast organisierte Heiko kurzerhand beim Stralsunder Ruderverein eine alternative Bleibe und somit auch Neuwasser für alle.
Wie immer verzurrten wir unsere Inrigger auf dem Trailer und packten noch ein paar weitere Boote auf den Trailer. Am 14. August machten wir uns abends auf den Weg. Die meisten mit Auto doch Gunnar, Edwin und Miri traten schon in der Früh in die Pedale und meisterten die zirka 225 Kilometer mit dem Fahrrad.

Pedaltripp nach Stralsund
Angekommen wurden auf der großen Wiese des Vereins die Zelte aufgebaut. Ich Depp hatte meines in der Pack-Hektik zuhause im Flur stehen lassen 🤦‍♂. Zum Glück fand sich noch ein Gästezimmer mit Matratze im Haus.


Wagenburg aus Zelten
Am nächsten Morgen Start zur ersten Tour. Wir rudern über den Stralsunder Bodden vorbei an der Insel Dänholm - Rügen immer Backbord. Hinter der Halbinsel Devin geht es in eine Bucht zur Marina Ziegelhafen. In einer kleinen Schilfschneise können wir unsere vier Boote parken. Oh Brombeeren am Strand. Lecker! Gleich pflücken. Doch Vorsicht: hier sind Wespen. Zu spät. Charlotte wurde in den Fuß gestochen. Kühlung und Dietmars Pfadfinder-Wissen über Kräuter half ihr aber schnell den Schmerz zu vergessen. In der Marina angekommen aßen wir erstmal deftig und gönnten uns bei der Hitze ein kühles Blondes.
Glücklich angekommen beim Ziegelhafen

Auf dem Rückweg noch ein Abstecher nach Rügen. Der Geheimtipp der Stralsunder entpuppte sich als Mückenparadies - Äh nee. Dann doch nicht. Ein paar hundert Meter weiter fanden wir dann aber den erwünschten Sandstrand und legten an. Während andere Jugendliche sich von den Klippen akrobatisch in den Sand stürzten bevorzugten wir lieber die schnelle Abkühlung im Nass. Naja schnell - 100 Meter reinwaten um endlich schwimmen zu können. Doch herrlich bei praller Sonne und bestem Urlaubsfeeling mit seinen Kameraden zu planschen.

Im Bootshaus wieder angekommen waren die anderen schon in vollem Abendbrotmodus. Die Tafel am Sattelplatz war gedeckt. Starkoch Oliver zauberte am Grill Köstlichkeiten für alle. Der Abend ging noch lang und wir bestaunten die tolle illuminierte Silhouette von Stralsund bei Nacht.

fehlen nur noch die hungrigen Ruderer
Warten auf den Starkoch
Starkoch Oli verköstigt über 30 Leutz
Stralsund bei Nacht
An Tag darauf wurde erstmal köstlich gefrühstückt - ick kam mal wieder als letzter und war glücklich über den Kaffee den man mir aufgehoben hatte.
Neue Tourplanung - heute mal in die andere Richtung. Rüber nach Hiddensee? Wir entscheiden uns für den Barhöft Hafen - Direkt gegenüber der Hiddenseer Spitze. Auf dem Hinweg bekommen wir auch gut Welle und Gegenwind. Ein Gewitter scheint sich zusammenzubrauen. Also ordentlich die Riemen gezogen damit wir schnell Land gewinnen. Doch was macht Detlefs Crew? Weit abgeschlagen rudern sie eher bei Rügen unter Land. Teils verlieren wir sie komplett aus dem Blick. Das Gewitter zieht zum Glück vorbei und beschert uns nur starken Wind und ein paar Tropfen.

Anlegen und flitzen

Neben der Marina kann man wieder soft am flachen Sandstrand anlegen. Der Powertripp lässt erstmal einige in Galopp zum Pullern flitzen. Erleichtert gehen wir dann alle gemeinsam zur Marina. (Detlefs Boot war inzwischen auch eingetroffen). Dort gab es Suppe. Das Wetter fing sich und die Sonne kam wieder raus. Wir hatten noch viel Zeit. Also blödelte man noch auf dem Spielplatz rum. Respekt was da einige auf dem Parallel Barren zustande bringen. Ich chill lieber in der Sonne.

sportliches Messen zwischen Edwin und Dietmar
Den Rückweg nahmen wir sportlich (ok. wir segelten auch ein wenig).

chillen und segeln

Abendbrot im Bootshaus. Starkoch Oliver organisierte mit dem Charme der jungen Girls einen Angemessen großen Topf aus der Nachbarschaft. Er kochte Nudeln - viele Nudeln. und Soßen: vegetarisch, mit Wurst und es wurden alle satt. Pappsatt. Und wir hatten noch genug für einen Zweiten Tag.
Der Abend ging ähnlich lang. Manche schauten sich noch die Promenade an. Doch man hatte sich auch so viel zu erzählen. Es waren auch nie alle auf Tour.  Während wir die langen Tagestouren fuhren machte Heiko mit den Jüngeren kurze Ruderfahrten und kleine Ausflüge in die Stadt.

Tag Drei war niemand so richtig für eine lange Tour zu begeistern. Auch wollten wir einfach mal die Stadt erkunden. Gesagt getan. Ruderfrei. Stralsund wir kommen.
Wir gingen über den Markt - Schwerpunkt eindeutig Töpferwaren. Essen bei nem leckeren Italiener. Dann mal die Stadt von oben erkunden. Die St. Marienkirche bot sich an. Die gewaltige Orgel und und vielen Bilder beeindrucken. Nun geht es über 300 Stufen hoch auf den Turm. Auch unser Ruderkamerad Konrad vom Oranienburger Wassersportverein tippelt fleissig die vielen Stufen hoch. Doch je enger und steiler die Treppen werden und zuletzt nur noch knarzige Holzleitern da sind merken wir das er sich seiner Sache gar nicht sicher ist. Dennoch kommt er bis auf die Turmplattform mit. Nur zu einem Blick über die Brüstung lässt sich der an Höhenangst Leidende nicht überreden. Wir sind dennoch alle Stolz auf ihn und machen das obligatorische Beweisbild für seinen Mut.
geile Orgel

Top Team auf dem Dach von Stralsund

my heart will go on
Im Anschluss treffen wir die andere Grüppchen am Hafen bei der Gorch Fock I wieder. Einen Besuch auf dem alten schiff lasse ich mir nicht nehmen. Andere schlemmen lieber ein Eis draussen. Einige Captain Hook und Titanic Szenen später zieht die Truppe weiter Richtung Ozeaneum. Das Event klemm ich mir und schlender gemütlich zurück über die Promenade zum Bootshaus.

Doch wo sind Heiko und die Kids? Er war mit Ihnen Richtung Rügen aufgebrochen. Das Wetter war heute aber bei weitem nicht so einladend wie die letzten Tage. Der Wind baute ordentlich Welle auf. Doch auch Sie kamen wohlbehalten etwas später an. Die Kids, sichtbar fertig von so einer langen harten Tour. Erste mal Riemen rudern und dabei ordentlich Welle. Klamotten nass und kalter Wind - das zerrt. Also erstmal  unter die warme Dusche und anschliessend 'ne ordentliche Portion Nudeln.

die Kids trotzen Wind und Welle
Fahrtenleiter Heiko und Charlotte untewegs mit den Kids
Abends wird wieder gegrillt. (mit einem Topf kochen ist logistisch doch etwas aufwändig). Wir klönen lang. Schlendern abends noch bis zum Strandbad und hängen in den Strandkörben ab. Bis der Strandwart uns nett raus bittet.

Samstag. Was für 'ne Tour wollen wir denn? Scheinbar war Tour Nummer 1 die beste. Also wiederholen wir unseren Tripp zur Marina. Diesmal aber mit einem Abstecher durch den Hafen von Stralsund. Auf Augenhöhe mit der Gorch Fock (kann man das so sagen?). Weiter durch die Ziegelgrabenbrücke und ein erster Stopp an einem neuen Strand auf der Halbinsel Devin. Anschliessend wieder in die Marina. Na die haben sich gefreut uns wieder zu sehen. Fisch kaufte glaube dennoch keiner 😂.
Ziegelgrabenbrücke und unsere Armada

Auf dem Rückweg hielten wir auch nochmal an unserem alten/neuen Lieblingstrand um zu baden.
Nochmal durch den Hafen und dann direkt auf den langen Anleger des Rudervereins zu. Die Schwäne auf diesem kennen uns schon und ignorieren uns gekonnt. Den Vierer Inrigger "Ruden" zuletzt. Der geht allen ins Kreuz. Schwer und mit Wasser gefüllt wuchten wir ihn auf den Steg. Inzwischen Routine. Auch Bernhard weiß inzwischen das der nicht auf den Wagen soll. Alle verfügbaren Hände fassen mit an und bringen das Schlachtschiff die vielen Meter bis auf das Vereinsgelände. Die Passanten an der Promenade schauen imponiert auf die tolle Zusammenarbeit.

Die Schwäne ignorieren uns
Der Abend, leicht wehmütig im wissen das es der letzte ist, geht spaßig und musikalisch zuende.

Sonntag ist Packtag. Zelte abbauen. Reine machen. Boote transportfähig machen und verzurren. Alle nochmal gedrückt und auf die Autos aufgeteilt. Unsere Radsportler bekommen auch irgendwie irgendwo ein Plätzchen und zurück gehts nach Berlin.

Boote verladen
Noch ein Stau - rechtzeitig abgefahren und über Land das rumgestehe vermieden. Angekommen. Leider nur meine Kutsche. Alle Anderen haben den Stau nicht rechtzeitig auf dem Schirm gehabt und mussten den aussitzen. Ich entspanne derweil noch am Bootshaus der TiB und schaue aufs Wasser. gute 2-3 Stunden später ist dann auch Heiko da und wir laden die Boote noch ab.

Was n Tripp. Sensationell. So mit Sightseeing wünsch ich mir das immer. Danke an Heiko für Orga, Oli für Futter, Allen anderen für den Spaß. Mit Euch immer wieder.

2018 © Helge Kubath

Scoll weiter für weitere Impressionen!


























Freitag, 31. August 2018

Wanderfahrt Hamburg


Unsere Wanderfahrt nach Hamburg war eine spannende Sache, einmal das Ruderrevier einer anderen Großstadt zu erkunden war schon sehr aufregend.

Am Freitagabend trudelten alle Teilnehmer der Wanderfahrt so nach und nach bei unserem Gastgeber dem Ruderclub RG Hansa ein, wunderschön an der Außenalster in einem Villenviertel gelegen.
Wir wurden von Thomas von der RG Hansa mit einem kühlen Getränk am Steg in Empfang genommen. Vom Steg aus bot sich ein einmaliger Blick auf die Alster und die Stadt Hamburg. Thomas führte uns noch durch das Clubhaus und natürlich die Bootshalle und zeigte uns unser Nachtlager.
Dort richteten wir uns gemütlich ein, mit Schlafsack und Isomatte zwischen Fitnessgeräten und Ruderergometern, in der anderen Ecke des Raumes campierte die Jung Hansa, die ihr Trainingslager dort abhielt.

RG Hansa Clubhaus vom Steg aus gesehen
Am nächsten Morgen ging es nach einem stärkenden Frühstück auch schon los auf Erkundungstour. Der Steg, der uns Abend noch viel zu groß und ruhig erschien, war nun bevölkert von Ruderern aller Altersklassen, die ihre Boote klar machten. Wir bekamen zwei gesteuerte Doppelvierer und einen gesteuerten Doppelzweier zugeteilt. Von unseren Gastgebern boten sich vier Ruderer an, uns ihre Stadt zu zeigen und zu begleiten.
Raus ging es auf die Außenalster, die schon von anderen Wassersportlern gut bevölkert war. Ein Highlight auf der Tour war natürlich die Alsterfontäne auf der Binnenalster, dort wurde erst mal ein kleiner Fotostopp eingelegt und einige Heljies wurden geschossen (Selfies mit halb mit Helge halb mit dem Rest der Mannschaft). Weiter ging es Richtung Innenstadt, am Rathaus mussten wir etwas länger auf die Einfahrt in die Schleuse warten,  was aber nicht schlimm war, wir genossen die Aussicht und beobachteten die Reichen und Schönen in den umliegenden Cafés, diese wiederrum fanden uns wohl auch ganz unterhaltsam.



Nach einer kurzen Tour durch das Stadtgebiet, wurde es plötzlich turbulent, wir ruderten auf die Norderelbe raus. Die Wellen schlugen höher, Barkassen und Ausflugsboote schossen in wildem Gewusel von backbord nach steuerbord, und wir mittendrin. Unsere Hamburger Steuerleute managten das Chaos perfekt und brachten uns in ruhiges Fahrwasser. Dort konnten wir auch endlich einen Blick auf das neue Wahrzeichen Hamburgs erhaschen: die Elbphilharmonie!

Elbphilharmonie

Wir ruderten Richtung Hamburg Harburg durch schier endlos scheinende Hafen-und Industrieanlagen. Teilweise hatten sich aber auch die Stadtbewohner kleine gemütliche Oasen mit Hausbooten geschaffen.
In Harburg wurde erst mal eine ausgiebige Rast mit Mittach eingelegt. Das hatten wir uns auch verdient!
Nach dem Mittagessen ruderten wir Richtung Speicherstadt, auch hier ist einfach die Größe überwältigend. Schmale Kanäle, kleine Brücken und von unten aus gesehen sehr hohe Lagerhäuser. Man kann sich kaum vorstellen, welche Vielzahl an Handelsgütern hier früher eingelagert worden sind.
Rathausplatz

Hamburger Times Square
Spiegel-Tempel
bei schönstem Sonnenschein durch die Kanäle
Zurück zum Heimathafen ruderten wir wieder über Binnen und Außenalster zur RG Hansa.
Dort wurden die Boote aus dem Wasser geholt, Trupp 1 kümmerte sich um die Boote, Trupp 2 kümmerte sich um das leibliche Wohl. Nach getaner Arbeit wurde der Grill angeschmissen und mit unseren Hamburger Freunden noch nett beim Bier geschnackt. 
Am nächsten Tag ruderten wir auf uns alleine gestellt los, um die Alster und die umliegenden Kanäle zu erkunden. Natürlich sind wir vorher mit einigen Ratschlägen und Tourentipps von unseren Hamburgern versorgt worden. Diesmal waren wir nur mit einem gesteuerten Doppelvierer und einem gesteuerten Doppelzweier unterwegs.
Teilweise erinnerten die Kanäle an den Spreewald, sehr schmal und verwunschen, fast zu klein für ein Ruderboot, zumal an diesem Tag auch alles auf dem Wasser war, was irgendwie schwimmt: Stand-Up-Paddler, Tretboote, Kanus… Das machte das Steuern nicht unbedingt einfacher.
Manchmal wurden wir auch an Venedig erinnert, auf einer Teilstrecke kamen uns venezianisch anmutende Gondeln entgegen, nicht ganz so groß, aber die Form und die Rudertechnik stimmte.
Die Orientierung gestaltete sich manchmal etwas schwierig, aber schlussendlich fanden wir den Weg zurück auf die Außenalster und zum Club.

Dort wurden die Boote wieder ordentlich verstaut und wir packten dann, nach einer erfrischenden Dusche, unsere Siebensachen und machten uns alle wieder auf den Heimweg nach Berlin.
Es war wirklich ein einmaliges Erlebnis durch eine Weltstadt wie Hamburg zu rudern, vorbei an den Sehenswürdigkeiten, wie der Elbphilharmonie und durch die riesigen Hafenanlagen und die Speicherstadt. Ein großes Dankeschön an unsere Hamburger Gastgeber von der RG Hansa und an Heiko, der das ganze ins Rollen gebracht hat.
2018 © Steffi Schneider




Unsere Gastgeber zeigen uns die Stadt



An der Schleuse können wir kurz entspannen