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Mittwoch, 8. Mai 2019

30. Oderumfahrt



Fahrtenbericht zur 30. Oder-Umfahrt vom 27. April bis 03. Mai 2019

Und schwups! Schon isset vorbei und alle ham se braune Gesichter und braune Hände, obwohl die Sonne sich eher mittelmäßig blicken ließ. Seis drum. Det war ne schaue Nummer und der Frauenanteil auf dieser 30. Oder-Umfahrt hat sich dramatisch um 50% erhöht. Ganze zwei Damen haben sich neben 14 Männern in die Stemmbretter geschwungen! Ne bunte Mische waren wa, da es sich bei dieser TiB-Tour um eine Einladungstour handelt. Da hat der jute Udo Frieske all seine Lieblingskameraden aus Jahrzehnten Ruderei zusammengebracht mit dem Ziel die Tradition aufrechtzuerhalten und natürlich Kilometer zu sammeln 😜 
Mit am Start waren neben bewährten TiB’lern, Herrschaften vom Richtershorner Ruderverein, von Turbine Grünau, vom RC Birkenwerder, ein Herr aus Schwerin und auch zwei Dänen aus dem Roklubben Viking. Bis auf meine Wenigkeit und Kay von Turbine ham se die Tour alle schon mehr als mehrmals mitjemacht. Die Spree, die Havel und die Werlsee sollten unsere Boote werden.
Jens kann es kaum noch erwarten


Tag 1: Samstag, 27. April 2019, 59km
08:00 Uhr. Das Wassersportzentrum füllt sich mit Damen und Herren, welche letzte Packvorkehrungen vornehmen, ein kleines Frühstück zwischen die Beißer schieben, zu spät kommen oder spontan absagen. Letztere tauchen natürlich nicht im Bootshaus auf. Auto plus Anhänger werden mit Sack und Pack gefüllt. Den ersten Landdienst übernimmt der Herr Fahrtenleiter Udo. Bevor es in die Boote geht findet eine kleine Überraschungsrunde statt. Die „30. Oder-Umfahrt“ steht auf jeder der zudem namentlich versehenen roten Mützen, die uns Udo in die Hände drückt. Unsere Ohren sollten auf dieser Fahrt somit definitiv warm bleiben und für Schuhüberzieher wird auch gesorgt, sodass nasse Füße von vornherein ausgeschlossen werden können. Beide Utensilien werden sich auf der Fahrt noch bewähren.
gleich wird abgelegt
Nach der Bootseinteilung werden die Boote zu Wasser gelassen und die lange Reise beginnt. Erste Station noch in heimatlicher Nähe ist der Richtershorner Ruderverein, wo das erste Bier die Speiseröhre hinabwandert und das ausstehende Frühstück nachgeholt wird. Als wir von der Dahme auf den Oder-Spree-Kanal gelangen, wächst das Gefühl, dass es nun richtig losgeht. Die erste Schleuse kommt in Sicht. Zwei weitere werden wir an diesem Tag noch passieren. Es gibt nämlich eine große Neuerung auf dieser Tour. Die erste Übernachtung soll nicht in Fürstenwalde stattfinden, sondern eine Station weiter in Kersdorf, wo uns während der Einfahrt in die Schleuse Udo feierlich begrüßt. In einem herrlich eingerichteten Café direkt bei der Schleuse bekommen wir unser Abendessen. Es gibt hausgemachte Linsensuppe und Quiche. Ein Traum. Die Übernachtung findet in einem beschaulichen Ferienhaus mit ECHTEN Betten statt. Bevor ein jeder zur Ruhe geht, wird draußen noch etwas beisammengesessen und Pläne für zukünftige Rudertouren geschmiedet. Die Ruderer sind von der Hospitalität mehr als angetan.
endlich auf dem Wasser
"Ruderer lang"

Tag 2: Sonntag, 28. April 2019, 66km
Um 07:30 Uhr erwartet uns im Café an der Kersdorfer Schleuse ein feines Frühstücksbüffet mit frischen Brötchen, Aufstrichen, Müsli, Kaffee und Saft. Der körperlichen Anstrengung wird hier durch die liebevoll angerichteten Teller entgegengewirkt. Vielen Dank dafür! An diesem Tag erreichen wir die Oder und passieren Eisenhüttenstadt. Die Landschaft ist gesäumt mit industriellen Bauten, welche teilweise dampfende oder zischende Geräusche von sich geben, wobei Keule meint, dass es erstaunlich leise sei. Eine erschreckend tiefe Schleuse erwartet uns in Eisenhüttenstadt. Es dauert ein Weilchen bis wir den tiefsten Punkt erreichen. Bis dahin werden wie immer in einer Schleuse Fotos geschossen oder Klopfer vernichtet.
Die Mittagspause findet noch auf dem Oder-Spree-Kanal im Restaurant „Zum Kietz“ bei Fürstenberg statt. Riesige Schnitzel werden hier aufgefahren, ebenfalls sehr zu empfehlen ist der Spargel mit Sauce Hollandaise. Nachdem der Hunger gestillt und das ein oder andere Dessert verspeist wurde, geht es wieder in die Boote. Es sind nur noch 30km bis zum Ruderverein in Frankfurt (Oder) bei Kilometer 584. Die Boote werden hier direkt im Wasser gelassen, denn uns erwartet ein morgendliches Wecken um 03:30 Uhr. Manch einer genießt sein Abendessen und schmiert sich sein Stullenpaket für den morgigen Tag. Ein richtiges Pausieren soll es erst nach den 80 km Oder stromabwärts geben. Dieser Abend währt deshalb nicht allzu lang. Die meisten gehen bereits 22 Uhr zu Bett.

Kanal, Kanal und immer noch Kanal

eine von vielen Schleusen

Tag 3: Montag, 29. April 2019, 108 km
01:45 Uhr. Welch ein Horst hat seinen Wecker auf diese Uhrzeit gestellt?! Udo springt auf und macht das Licht an: „Aufstehen!“ Say what?! Nach einem Uhrzeitabgleich geht das Licht wieder aus: „Weiterschlafen!“ Doch ein Einschlafen ist kaum noch möglich. Niemand hat sich bis dato geoutet seinen Wecker falsch gestellt zu haben. In müder Stille nimmt jeder sein Frühstück zu sich. Die Boote legen um 05:00 Uhr in der Morgendämmerung ab. Ein magischer Schleier liegt über der Landschaft, als die Boote in die Oder einbiegen. Noch ist alles still. Ein bewölkter Himmel und eine wunderschöne Landschaft begleiten uns den ganzen Tag. Um acht Uhr erreicht der Tag seinen Helligkeitshöhepunkt. Erste Tropfen fallen hernieder, welche sich irgendwann in einen bestätigen Regen verwandeln. Kein Problem. Bis sich ein aufbrausender Wind aus dem Norden dazugesellt und unsere Boote arg ins bremsen bringt. Hatte man mir von einer schnellen Tagestour mit 12 bis 15 km/h erzählt, stellt sich unsere Geschwindigkeit auf etwa 8 km/h ein. Für die ersten 40 km brauchen wir geschlagene 6 Stunden! Zwar hört der Regen irgendwann auf, aber der Gegenwind ist unablässig. Erst bei Kilometer 667 können wir endlich in den Kanal zur Schleuse in Hohen Saaten abbiegen. Welch eine Erleichterung! Der Kampf gegen Wind und Wellen hat endlich aufgehört! Als sich die Schleusentore öffnen, scheinen wir im Paradies zu landen. Der mit Wolken bedeckte Himmel weicht warmem Sonnenschein. Das Wasser ist still. In Oderberg begrüßen uns Christian und Hilmar mit leckerem Kuchen vom Bäcker. Mit wackligen Beinen steigen wir aus dem Boot und machen uns auf weitere 16km bereit. Die Landschaft bleibt traumhaft bis zum Schiffshebewerk Niederfinow. Wunderschöne Gärten und niedliche Häuser säumen den Oder-Havel-Kanal. Nachdem die beeindruckende Konstruktion des Hebewerks bewundert wurde und wir 36 Meter hochgeschleust wurden, ziehen sich die letzten 8 km eine kleine Ewigkeit. Gegen halb acht erreichen wir den Kanuverein Eberswalde. In der Küche flackert ein warmes Kaminfeuer, während wir unser Abendessen zu uns nehmen.

kleiner Zwischenstopp zwischen den Buhnen, die Oder hatte sehr wenig Wasser
Schiffshebewerk Niederfinow
Wir hatten mit dem Wetter echtes Glück - meistens jedenfalls
Tag 4: Dienstag, 30. April 2019, 58km
07:00 Uhr. Mit steifen Gliedern erheben sich die Ruderer, um die letzte Tagesetappe vor unserem wohl verdienten Ruhetag anzutreten. Nach einem Frühstück mit frischen Brötchen geht es weiter auf dem Oder-Havel-Kanal, welcher sich ein Weilchen zieht. Um Abwechslung zu gewinnen entscheidet sich die Werlsee auf einen Abstecher über den wiedereröffneten Werbellinkanal, welcher sich mit schmalen Brücken in angenehmen Windungen durch eine naturbelassene Landschaft zieht. Keule freut sich wie Bolle über sein Neuwasser. An der Schleuse zum Langen Trödel treffen sich die Boote wieder. Das Neuwasser geht für einige Ruderer hier weiter. Der Lange Trödel schlängelt sich durch eine schöne Baumlandschaft. Wir passieren einige Brücken mit einer Höhe von 1,5 m, wo der ein oder andere ängstlich den Kopf einzieht. Hängen bleibt keiner. In einer Imbissbude in Liebenwalde wird Gulasch oder eine Bratwurst getilgt. Die über die Menge der Ruderer überraschte Küchenfee schafft es nach einer Weile alle Mägen zu füllen. Nach einer Handschleusung gelangen wir wieder auf den Oder-Havel-Kanal. Allen voraus die Havel. Schließlich gelangen wir zur Schleuse Oranienburg, wo ein Boot nach dem anderen geschurrt wird. Fingerspitzengefühl des Steuermanns ist hier gefragt, da der Eingang zur Schurre recht schmal ist. Nun gilt es nur noch drei Kilometer über den Lehnitzsee zu rudern bis wir freundlich von Frank und Eric vom Ruderclub Oranienburg empfangen werden. Die zwei helfen dem unkoordinierten "Pack" die Boote aus dem Wasser zu tragen, diese schließlich abzuriggern und auf einen Anhänger zu montieren. Aufgrund einer Bombenbergung kann zurzeit kein Ruderboot zwischen Oranienburg und Birkenwerder passieren. Die Boote werden dankenswerterweise von unserem Mitruderer Christian zum Birkenwerder Ruderverein transportiert. Da der Ruhetag auf einen Feiertag fällt, geht Landdienst Thomas essentielle Einkäufe für den morgigen Tag tätigen. Was an diesem Abend alle höchst erfreut: Es gibt Pizza! Für alle aus der Fahrtenkasse gesponsert! Da lässt sich keiner auf die Füße treten. Auch nicht der liebe Keule, der sich mit seiner 80cm-Durchmesser-Pizza wohl etwas überschätzt hat. Es gab einiges an Gelächter und unsere Dänen spendieren nen Packen Dosenbier als Neuwasserlage. Als die letzten Sonnenstrahlen die Landschaft verlassen, sammeln sich die Ruderer im Hafen-Büro. In dem kleinen Schuppen tummelten sich wohl noch nie so viele Leute. In der Ecke ein kleiner Gasofen. In der kuschlig-lauschigen Atmosphäre werden Geschichten über die Vergangenheit ausgetauscht. Insbesondere über die Anfänge der Oder-Umfahrt gibt es viel zu berichten. Sehr beeindruckend, wie alles anfing. Ohne Landdienst, mit pitschnassen Baumwollzelten, mit Grenzposten auf schwimmenden Stegen, herzlicher Gastfreundschaft und einem Ausschöpfen der Boote im 500-Meter-Takt.

Tag 5: Mittwoch, 01. Mai 2019, Ruhetag
08:00 Uhr. Die Rudergemeinschaft ist höchsterfreut über den freien Tag. Ab geht’s in die Sauna für den Großteil der Meute. Hier werden die Glieder bis ins Mark durchgeheizt und die Haut im Blubberbad abgeblubbert. Andere setzen sich tatsächlich ins Ruderboot – the show must go on! – oder man geht Oranienburg erkunden, passiert einen Marathon, und sitzt stundenlang im Hafenrestaurant. Alles dabei. Klar ist, dass abends alle wieder beieinandersitzen und sich Fleisch vom Grill zugute führen. Auch dieser Abend endet im lauschigen Hafen-Büro der Oranienburger, wo über aktuelle Bauvorhaben der Bundesregierung philosophiert wird oder die Strecke der kommenden TiB-TiB-Tour durch Berlin analysiert wird.

chillen am Wasser

Tag 6: Donnerstag, 02. Mai 2019, 32km
07:00 Uhr klingeln zehn Wecker gleichzeitig. Frühstück. Auto beladen und ab die Post zum Birkenwerder Ruderverein, wo in erstaunlich flüssigen Bewegungen die Boote für den Tag prepariert werden. Heute wird’s chillig. Vorbei an versunkenen Schubern, die die ehemalige Grenze darstellten ist der erste Halt der RCP Saffonia, worüber sich unsere zwei Dänen Peter und Bjørn besonders freuen, da dies ihr Verein in Deutschland ist. Hier gibbet Bockwurscht mit Senf und Schrippe und eine erstaunlich lange Pause. Perfekt, um sich über das Reisen auszutauschen und Witze zu reißen. Als es dann weitergeht zum RC Tegelort bleibt es nicht aus, dass unsere geliebte Claudi beim Boot vom Steg wegdrücken ins Wasser plumpst! Mit der schweren Steuermannsjacke an erhält sie zum Glück augenblicklich Hilfe aus ihrer Mannschaft und wird aus dem Wasser gezogen. Und glücklicherweise hat sie auch ausreichend Wechselklamotten bei. Letztlich ham wa alle ordentlich drüber lachen können. Is ja sonst auch mega langweilig die Tour jewesen. Allet läuft reibungslos, alle Schleusen schalten auf grün, sobald wa se erreichn, der Zeitplan wird die janze Zeit einjehalten – endlich ham wa ma wat zu erzähln hier 😜 Definitiv hat Claudi mit ihrem Outfit, dass se danach anhatte den „Contest of the am dicksten und buntesten angezogenen Steuermann“ gewonnen! Einfach 1A 😆
Nächster Halt dann RC Tegel wo eine neue Wirtschaft uns mit Leberkäs, Kartoffeln mit Quark, Boulette mit Bratkartoffel und einem deliziösen Rhabarber-Streuselkuchen verköstigt. Schließlich drehn wa noch ne Runde um die Zitadelle Spandau und landen nach der Schurre in Spandau auf der Havel. Letzte Übernachtung dann bei unseren Freunden in TiB Tiefwerder. Thomas begrüßt uns und heizt für uns Haus und Hof ordentlich an. Sowohl der Ofen lodert, als auch die Feuerschale draußen, wo die letzten Knabbereien gefuttert werden, die bisher nur hin- und herkutschiert wurden. Jeder bündelt nochmal seine Kräfte für die letzte Tagesetappe.

an der Zitadelle Spandau

Tag 7: Freitag, 03. Mai 2019, 55km
07:00 Uhr. Nach `m letzten gemeinsamen Frühstück legt ein Boot nach dem anderen ab. Man grüßt Herrn Lehmann und landet schließlich aufm großen Wannsee, wo uns die Wellen doch ganz schön zu schaffen machen. Nach den ersten 14 km finden sich die Boote wieder auf’m kleinen Wannsee. Hier ist das Wasser schlagartig ganz ruhig. „Grade Sitzen! Die Wasserschnüffelpatrouille ist im Anmarsch!“, befehligt uns Steuermann Kay. Beim SchülerInnen Ruderverband warten wir etwas länger auf die Havel, die schwer im Wasser liegt und einige Wellen abbekommen hat. Als alle Boote wieder beisammen sind, wird die letzte Schleuse der Etappe in Kleinmachnow anvisiert. Hier haben alle Ruderer die Gelegenheit sich ein paar Brote zu genüge zu tun oder im Gebüsch zu verschwinden. Etwa eine halbe Stunde warten wir, bis die Ampel grün wird. 
warten auf Grün an der Schleuse Keinmachnow
Es heißt nun vornehmlich Teltow-Kanal, Teltow-Kanal, Teltow-Kanal. Kurz wird darüber nachgedacht die Mittagspause im Tempelhofer Hafen zu streichen, was jedoch vehement abgeschlagen wird. Im Hafenbecken kehren wir im türkisch anmutenden Marti-Fischrestaurant ein. Dorade und weiteres vom Grill wird hier empfohlen und von dem warmen Fladenbrot kann ich gar nicht genug bekommen. Eine gute Entscheidung hier noch einzukehren und die Tour Revue passieren zu lassen. Als wir nach letztem Steuermannswechsel bei Wiking schließlich in den Endspurt Spree abbiegen, begrüßen uns sich aufwiegelnde Wellen von allen Seiten. Welcome home! Nach dem Schi-Scha-Schaukel-Trip über die Spree gelangen wir an unseren Heimathafen genau zum Ende des Trainings unserer Junioren. Welch eine Freude die jungen Freunde wiederzusehen! Nun gilt es die Boote noch auf Vordermann zu bringen und eine Mängelanalyse vorzunehmen. Fix und fertig verabschieden wir uns voneinander. Auf ein Neues und bis bald! Die Tour hat nun ihr Ende gefunden und jeder von uns trägt 385km mehr aufm Buckel.
Aufregend war’s. Körperlich, wie geistig. Richtig gut sind se im Meckern, Glauben und Besserwissen die Herrschaften, aber auch im Lachen, Witze reißen und herzlich und hilfsbereit sein. Danke an euch alle für diese einzigartige Tour! Bin gerne wieder dabei! Ein ganz besonderer Dank geht an Udo für die tolle jahrelange Organisation dieser mächtigen Tour! Wer wird nur in deine Fußstapfen treten? Denn noch einmal möchte der Gute das nicht übernehmen. Wäre zu schade, wenn diese Tour abgeblasen werden müsste. Freiwillige vor!
Und ich appelliere an die junge Generation und die Damen der Rudergemeinschaft. Macht mit! Die Fahrt lässt an persönliche körperliche Grenzen stoßen und ist gleichzeitig für jeden, der gerade in einem Boot sitzen kann, überaus machbar. Die Landschaft ist abwechslungsreich und birgt viele Geschichten, die uns die Alten gerne erzählen. Und wem können die Alten die Geschichten erzählen, wenn keiner von uns da ist? Und wer soll eine frische Brise zwischen die Reihen der Alten wehen, wenn kein Wind aufkommt?
nach so viel Kilometern darf man sich auch mal strecken

2019 © Undine Habermann

Montag, 12. Juni 2017

TiB – TiB 2017

Noch immer spüre ich das Boot wanken, nachdem wir unsere kleine Spritztour zu unserem Partnerverein TiB in Spandau/Tiefwerder unternommen haben. Ich war nun zum ersten Mal dabei und bin höchstbegeistert von dieser Fahrt!
Nicht nur das Wetter war ein Traum und die Fahrt quer durch die Stadt, sondern auch die wunderbare Gastfreundschaft, die uns entgegengebracht wurde, als wir ankamen.
Nachdem sich bis kurz vor Antritt der Fahrt viel zu Wenige gefunden hatten, um diese stattfinden zu lassen, erfuhr ich drei Tage vorher, dass wir doch einen 5+ zusammengestellt bekommen hatten.

Tag 1: 
In kleiner, aber feiner Runde sammelten wir uns also am Samstag in der Frühe, um mit Sack und Pack ge’n Westen aufzubrechen. Heiko, und sicherlich viele andere Ruderkollegen auch, sahen uns mit Tränen in den Augen hinterher, und wünschten sich mit uns auf die „weite und gefährliche Reise“ zu gehen. Unsere feine Runde war glücklicherweise eine gesunde Mischung aus Erfahrung, sowie junger frischer Energie. Hierbei waren die Erfahrenen unter uns der Fahrtenleiter Udo, die nach einem Jahr Ruderruhe wiedergekehrte Claudia, der einzig wahre Helge und der eiserne Gast Peter und die Frischlinge ich und Berni, die wir erst letztes Jahr der TiB beigetreten sind. Dies hatte so denn zur Folge, dass wir eine repräsentative Gruppe darstellten, bereit uns mit gebündeltem Wissen unseren entfernten Kollegen zu stellen.



alberner Udo

verdiente Pause

Urbanhafen - X-Berg

Die Fahrt selbst durchlief diverse Schleusen, die alle durchaus reibungslos schleusten, sodass wir frei weg durch die Kanäle schippern konnten. Erste Haltestelle: „Urbanhafen“, wo der Bierhaushalt auf Limit gehalten wurde. „Jubel – Jubel!“, „TiB, TiB – Hurra!“, ging es durch diverse Brücken, vorbei am Technikmuseum, der Philharmonie und anderen Bäumen, Enten und Grüßenden, wie nicht grüßenden Menschen. Immer wieder holten uns die gleichen Kanuten ein, die wir aber nach unserer zweiten Pause bei „Caprivi“ abwimmeln konnten.


Claudi hat ihren Spaß

Tiergartenschleuse - rappelvoll

Caprivibrücke  - letzte Etappe

Nun änderte sich die Landschaft und es enturbanisierte sich die ganze Gegend. Diese wurde zusehenst grüner, aber auch industrialisierter. Vorbei an Fäkalien-Schiffanlegestellen, Ölfilmen und einer Kohlefabrik mündete die Spree letztlich in der Havel, wo uns ein Spandauer Volksfest begrüßte. Nun schaukelte unser Boot nur noch eine viertel Stunde vor sich her bis wir am zweiten Heimathafen der TiB anlegten.


Festtafel - alles schon weggeputzt ;-)

Boote geparkt

geschmückter Baum und Baumhaus

Bootshaus Tiefwerder

Sauna

Begrüßt von einer langen Tafel gefüllt mit diversen Kuchenspezialitäten, Kaffee und vor allem größter Gastfreundschaft konnten wir nun entspannt in das Abendprogramm übergehen. Hierbei wurde nicht nur unglaublich viel getrunken, sondern auch großartig aufgetischt. Weiteren Besuch bekamen wir durch den Oranienburger Wassersportverein und den russischen Saunafreunden der TiB Spandau. Es wurde gequatscht, gelacht, beratschlagt, berichtet und aufgetischt, aufgefüllt und leer gemacht. Später wurde sogar eine Feuerschale entfacht, was den Abend gemütlich beenden sollte.


klönen 

Romantique


Tag 2: 
„Wer spät ins Bett geht, kann auch früh aufstehen!“, tönte es aus dem Nebenzimmer und wir sprangen direkt ins Wasser, um wach zu werden. Einfach unglaublich, wie unsere Freunde nochmal loslegten und ein wunderbares Frühstück für uns auf die Beine stellten! Und nun war auch schon der Moment, um Abschied zu nehmen, gekommen. Wieder durch die Stadt, diesmal aber in sengender Hitze, unterbrochen von diversen Fähren, die uns entgegenkamen, sowie sehr belebtem Wasser, ging es zurück nach Oberspree. 


chillen at Caprivibrücke

mitten inna Stadt

Technikmuseum


Diese Fahrt war wirklich ein Träumchen und ich würde mich sehr freuen, wenn wir noch dieses Jahr in größerer Runde dorthin führen. Auch den Teltower Kanal möchte ich in seiner Grausamkeit und Unberechenbarkeit erleben! Aber vor allem würde ich mich riesig freuen, wenn auch die Spandauer uns besuchen kommen! (die Claudia kann nämlich auch sehr gut kochen und möchte diese Künste immer gerne unter Beweis stellen 😉 ). Überhaupt sollten Besuche auf Gegenseitigkeit beruhen und mit ner juten Planung kriegen wa dit schonn jebacken. War `ne klasse Tour. Ick freu mir uffs nächste Wiedasehn!


2017 © Undine Habermann

Donnerstag, 26. Januar 2017

Herbst Trainingslager 2016

Vom 17.10. zum 21.10. fand unser 2. Trainingslager im WSZ statt. 

Am Montag trafen sich sechs Junioren + Heiko und Leonard. Nach ersten Besprechungen fuhren wir zum Möbelhaus um den Saal im WSZ gemütlicher einzurichten. Dort kauften wir fünf Sitzsäcke, die die Zeit zwischen den Trainingseinheiten verschönerten. 


Am Montag morgen haben Gunnar und Heiko ein Tagesablauf geplant, der vier Trainingseinheiten am Tag beinhaltete, demnach ging es um 11 Uhr zur ersten Einheit. Alle Junioren wurden in Renn- bzw. C-Einer gesetzt und fuhren Richtung Müggelsee und zurück.

Nachdem alle gut wieder im WSZ angekommen waren aßen wir Mittag, welches jeden Tag von Heiko zubereitet wurde. Abends konnten wir zur vierten Einheit nicht auf das Wasser, da es um 20 Uhr draußen dunkel war. Deshalb haben wir mit Leonard Stabilitätsübungen gemacht. (Leonard hat Heiko am ersten Tag als 2. Trainer unterstützt) 


Am Dienstag begann unser Tag etwas verschlafen kurz vor 7:30 Uhr mit der ersten Trainingseinheit. Allerdings stellten wir schnell fest, dass es sich lohnt so früh auf das Wasser zu gehen, da es noch unberührt von Motorbooten und Berufsschifffahrern war. Nachdem Frühstück ging es erstmals mit der Amsterdam zu Wasser, nur Gunnar blieb im Renn-Einer. 


Das Rennboot Amsterdam ist ein gesteuerter Doppelvierer, der neue Ausleger bekommen hat, weshalb wir ihn unbedingt ausprobieren mussten. Leider lief das Boot nicht sehr gut, aber man hat die Verbesserung innerhalb der Fahrt gut gespürt, wofür ein Trainingslager schließlich da ist. Gunnar fuhr bis zur Bammelecke um sich auf die Langstreckenregatta im November vorzubereiten, weshalb er das Trainingslager hinüber auch im Einer blieb. 


Die vierte Einheit fand wieder im Kraftraum statt, diesmal mussten wir zwei Kraftkreise machen. Nach abendlichen Gesprächsrunden gingen wir über Nacht Energie für den nächsten Tag tanken, denn dieser begann wieder zur gleichen Uhrzeit.

Bei der ersten Einheit hatten wir leider nicht so viel Glück mit dem Wetter, dafür blieben wir für den Rest der Woche weitestgehend trocken. Allmählich hatten wir uns an den Tagesrhythmus gewöhnt.
Am Mittwoch haben wir als 3. Einheit eine Stunde Fußball gespielt, um dann ab 17 Uhr zusammen mit Anna Lasagne, Nudelsalat und Obstsalat zuzubereiten. Nach dem leckeren Essen setzten wir uns nochmal für eine halbe Stunde auf das Ergometer.


Der Donnerstag lief ganz nach unserer Routine ab, bis Heiko, Gunnar, Laura und ich (Gudrun) den Uni-Kurs mitmachten, wo wir unter dem Sternhimmel durch die Nacht gefahren sind. 

Am Freitag konnten wir nur zwei mal raus fahren, weil unser Trainingslager langsam dem Ende zuging. Nach dem Mittag haben wir unsere sieben Sachen gepackt und den Saal aufgeräumt. Daraufhin haben wir uns verabschiedet und uns auf den Nachhauseweg gemacht. 
Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Trainingslager in den Osterferien 2017.


Gudrun Tretzsch

Freitag, 25. November 2016

Stadtbesichtigung mal anders

Irgendwie kennt es jeder, Sightseeingbusse oder Tourguides mit Schirmen und die Besonderheiten unserer Stadt den Touristen erklären und zeigen. Mmmh, dachten wir uns…dass können wir auch, aber in Ruderbooten.
Also haben wir auf der Internetseite des Deutschenruderverbandes (DRV) Ruderer zur Stadtbesichtigung am 22. und 23.Oktober nach Berlin eingeladen. Unser Wassersportzentrum diente gleich zur Übernachtung, dafür haben wir ja 20 Betten in unserem Haus.
Zwei Ruderer aus Hamburg haben sich gemeldet und wollten unser neues Angebot nutzen. Durch eigene neue Mitglieder, die diese Fahrt ebenfalls noch nie gemacht hatten konnten wir am 22. Oktober gegen 10 Uhr mit einem gesteuerten Vierer und einem gesteuerten Zweier unser Tour starten.

Auf der Spree in Richtung Stadtmitte führte unserer Weg am alten Industriestandort Schöneweide, am Treptower Park, am Osthafen vorbei bis zur Oberbaumbrücke. 


Dort verließen wir die Spree durch die Oberschleuse des Landwehrkanals und folgten diesen am Maybachufer, Urbanhafen, Hallesches Ufer/ Tempelhofer Ufer, Schöneberger Ufer, Lützowufer, Reichpietschufer bis zur Unterschleuse im Tiergarten. Nach der Schleuse auf Höhe Einsteinufer, Salzufer vereinigt sich der Landwehrkanal wieder mit der Spree und wir folgten dieser bis zur Charlottenburger Schleuse.



Nach unserem Schleusenvorgang fuhren wir auf der Spree weiter bis nach Spandau, wo sich die Spree mit der Havel vereinigt. Hier bogen wir in Richtung Süden um dann nach ca. zwei Kilometer in den Südhafen zu fahren. Hier im Südhafen ist das Bootshaus von TiB Tiefwerder, wo wir durch Roman herzlich empfangen wurden. 

Nachdem wir die Boote aus dem Wasser geholten hatten und uns etwas erholt haben, stiegen wir in ein Taxi um wieder zurück zum Wassersportzentrum zu fahren. Dort starteten wir auch mit der Taxifahrt nach Tiefwerder am Sonntag Morgen. Heute musste der längere Abschnitt der Tour bewältigt werden. Alle wirkt frisch, fröhlich und frei (zu mindesten drei F´s unseres Logos werden erfüllt…;o)). Also ran ans Werk und die Boote ins Wasser gebracht.

Über die Havel (vorbei am Grunewald und seinem Bismarckturm), dem Wannsee, kleinem Wannsee, Pohlesee, Stölpchensee und Griebnitzsee (hier begleiteten und begegneten uns auch reichlich andere Ruderboote durch ihr Sonntagstraining oder ihr Abrudern) gelangten wir zum Teltowkanal. 


Dem galt es nun lange 28 km bis nach Neukölln zu folgen um dann wieder über den Britzer Verbindungskanal die Spree und unser Bootshaus zu erreichen. Glücklich und erschöpft landeten wir kurz vor 18 Uhr an und nach dem Putzen der Boote lösten sich das Team mit einer gewissen Müdigkeit und vielen Eindrücken auf. 


Es war toll mit euch und danke an Laura, Grudrun, Leonard, Bernhard, Dietmar und unsere Gäste Sandra und Jakob für eine gelungen und schöne Tour.


Heiko Engel