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Mittwoch, 8. Mai 2019

30. Oderumfahrt



Fahrtenbericht zur 30. Oder-Umfahrt vom 27. April bis 03. Mai 2019

Und schwups! Schon isset vorbei und alle ham se braune Gesichter und braune Hände, obwohl die Sonne sich eher mittelmäßig blicken ließ. Seis drum. Det war ne schaue Nummer und der Frauenanteil auf dieser 30. Oder-Umfahrt hat sich dramatisch um 50% erhöht. Ganze zwei Damen haben sich neben 14 Männern in die Stemmbretter geschwungen! Ne bunte Mische waren wa, da es sich bei dieser TiB-Tour um eine Einladungstour handelt. Da hat der jute Udo Frieske all seine Lieblingskameraden aus Jahrzehnten Ruderei zusammengebracht mit dem Ziel die Tradition aufrechtzuerhalten und natürlich Kilometer zu sammeln 😜 
Mit am Start waren neben bewährten TiB’lern, Herrschaften vom Richtershorner Ruderverein, von Turbine Grünau, vom RC Birkenwerder, ein Herr aus Schwerin und auch zwei Dänen aus dem Roklubben Viking. Bis auf meine Wenigkeit und Kay von Turbine ham se die Tour alle schon mehr als mehrmals mitjemacht. Die Spree, die Havel und die Werlsee sollten unsere Boote werden.
Jens kann es kaum noch erwarten


Tag 1: Samstag, 27. April 2019, 59km
08:00 Uhr. Das Wassersportzentrum füllt sich mit Damen und Herren, welche letzte Packvorkehrungen vornehmen, ein kleines Frühstück zwischen die Beißer schieben, zu spät kommen oder spontan absagen. Letztere tauchen natürlich nicht im Bootshaus auf. Auto plus Anhänger werden mit Sack und Pack gefüllt. Den ersten Landdienst übernimmt der Herr Fahrtenleiter Udo. Bevor es in die Boote geht findet eine kleine Überraschungsrunde statt. Die „30. Oder-Umfahrt“ steht auf jeder der zudem namentlich versehenen roten Mützen, die uns Udo in die Hände drückt. Unsere Ohren sollten auf dieser Fahrt somit definitiv warm bleiben und für Schuhüberzieher wird auch gesorgt, sodass nasse Füße von vornherein ausgeschlossen werden können. Beide Utensilien werden sich auf der Fahrt noch bewähren.
gleich wird abgelegt
Nach der Bootseinteilung werden die Boote zu Wasser gelassen und die lange Reise beginnt. Erste Station noch in heimatlicher Nähe ist der Richtershorner Ruderverein, wo das erste Bier die Speiseröhre hinabwandert und das ausstehende Frühstück nachgeholt wird. Als wir von der Dahme auf den Oder-Spree-Kanal gelangen, wächst das Gefühl, dass es nun richtig losgeht. Die erste Schleuse kommt in Sicht. Zwei weitere werden wir an diesem Tag noch passieren. Es gibt nämlich eine große Neuerung auf dieser Tour. Die erste Übernachtung soll nicht in Fürstenwalde stattfinden, sondern eine Station weiter in Kersdorf, wo uns während der Einfahrt in die Schleuse Udo feierlich begrüßt. In einem herrlich eingerichteten Café direkt bei der Schleuse bekommen wir unser Abendessen. Es gibt hausgemachte Linsensuppe und Quiche. Ein Traum. Die Übernachtung findet in einem beschaulichen Ferienhaus mit ECHTEN Betten statt. Bevor ein jeder zur Ruhe geht, wird draußen noch etwas beisammengesessen und Pläne für zukünftige Rudertouren geschmiedet. Die Ruderer sind von der Hospitalität mehr als angetan.
endlich auf dem Wasser
"Ruderer lang"

Tag 2: Sonntag, 28. April 2019, 66km
Um 07:30 Uhr erwartet uns im Café an der Kersdorfer Schleuse ein feines Frühstücksbüffet mit frischen Brötchen, Aufstrichen, Müsli, Kaffee und Saft. Der körperlichen Anstrengung wird hier durch die liebevoll angerichteten Teller entgegengewirkt. Vielen Dank dafür! An diesem Tag erreichen wir die Oder und passieren Eisenhüttenstadt. Die Landschaft ist gesäumt mit industriellen Bauten, welche teilweise dampfende oder zischende Geräusche von sich geben, wobei Keule meint, dass es erstaunlich leise sei. Eine erschreckend tiefe Schleuse erwartet uns in Eisenhüttenstadt. Es dauert ein Weilchen bis wir den tiefsten Punkt erreichen. Bis dahin werden wie immer in einer Schleuse Fotos geschossen oder Klopfer vernichtet.
Die Mittagspause findet noch auf dem Oder-Spree-Kanal im Restaurant „Zum Kietz“ bei Fürstenberg statt. Riesige Schnitzel werden hier aufgefahren, ebenfalls sehr zu empfehlen ist der Spargel mit Sauce Hollandaise. Nachdem der Hunger gestillt und das ein oder andere Dessert verspeist wurde, geht es wieder in die Boote. Es sind nur noch 30km bis zum Ruderverein in Frankfurt (Oder) bei Kilometer 584. Die Boote werden hier direkt im Wasser gelassen, denn uns erwartet ein morgendliches Wecken um 03:30 Uhr. Manch einer genießt sein Abendessen und schmiert sich sein Stullenpaket für den morgigen Tag. Ein richtiges Pausieren soll es erst nach den 80 km Oder stromabwärts geben. Dieser Abend währt deshalb nicht allzu lang. Die meisten gehen bereits 22 Uhr zu Bett.

Kanal, Kanal und immer noch Kanal

eine von vielen Schleusen

Tag 3: Montag, 29. April 2019, 108 km
01:45 Uhr. Welch ein Horst hat seinen Wecker auf diese Uhrzeit gestellt?! Udo springt auf und macht das Licht an: „Aufstehen!“ Say what?! Nach einem Uhrzeitabgleich geht das Licht wieder aus: „Weiterschlafen!“ Doch ein Einschlafen ist kaum noch möglich. Niemand hat sich bis dato geoutet seinen Wecker falsch gestellt zu haben. In müder Stille nimmt jeder sein Frühstück zu sich. Die Boote legen um 05:00 Uhr in der Morgendämmerung ab. Ein magischer Schleier liegt über der Landschaft, als die Boote in die Oder einbiegen. Noch ist alles still. Ein bewölkter Himmel und eine wunderschöne Landschaft begleiten uns den ganzen Tag. Um acht Uhr erreicht der Tag seinen Helligkeitshöhepunkt. Erste Tropfen fallen hernieder, welche sich irgendwann in einen bestätigen Regen verwandeln. Kein Problem. Bis sich ein aufbrausender Wind aus dem Norden dazugesellt und unsere Boote arg ins bremsen bringt. Hatte man mir von einer schnellen Tagestour mit 12 bis 15 km/h erzählt, stellt sich unsere Geschwindigkeit auf etwa 8 km/h ein. Für die ersten 40 km brauchen wir geschlagene 6 Stunden! Zwar hört der Regen irgendwann auf, aber der Gegenwind ist unablässig. Erst bei Kilometer 667 können wir endlich in den Kanal zur Schleuse in Hohen Saaten abbiegen. Welch eine Erleichterung! Der Kampf gegen Wind und Wellen hat endlich aufgehört! Als sich die Schleusentore öffnen, scheinen wir im Paradies zu landen. Der mit Wolken bedeckte Himmel weicht warmem Sonnenschein. Das Wasser ist still. In Oderberg begrüßen uns Christian und Hilmar mit leckerem Kuchen vom Bäcker. Mit wackligen Beinen steigen wir aus dem Boot und machen uns auf weitere 16km bereit. Die Landschaft bleibt traumhaft bis zum Schiffshebewerk Niederfinow. Wunderschöne Gärten und niedliche Häuser säumen den Oder-Havel-Kanal. Nachdem die beeindruckende Konstruktion des Hebewerks bewundert wurde und wir 36 Meter hochgeschleust wurden, ziehen sich die letzten 8 km eine kleine Ewigkeit. Gegen halb acht erreichen wir den Kanuverein Eberswalde. In der Küche flackert ein warmes Kaminfeuer, während wir unser Abendessen zu uns nehmen.

kleiner Zwischenstopp zwischen den Buhnen, die Oder hatte sehr wenig Wasser
Schiffshebewerk Niederfinow
Wir hatten mit dem Wetter echtes Glück - meistens jedenfalls
Tag 4: Dienstag, 30. April 2019, 58km
07:00 Uhr. Mit steifen Gliedern erheben sich die Ruderer, um die letzte Tagesetappe vor unserem wohl verdienten Ruhetag anzutreten. Nach einem Frühstück mit frischen Brötchen geht es weiter auf dem Oder-Havel-Kanal, welcher sich ein Weilchen zieht. Um Abwechslung zu gewinnen entscheidet sich die Werlsee auf einen Abstecher über den wiedereröffneten Werbellinkanal, welcher sich mit schmalen Brücken in angenehmen Windungen durch eine naturbelassene Landschaft zieht. Keule freut sich wie Bolle über sein Neuwasser. An der Schleuse zum Langen Trödel treffen sich die Boote wieder. Das Neuwasser geht für einige Ruderer hier weiter. Der Lange Trödel schlängelt sich durch eine schöne Baumlandschaft. Wir passieren einige Brücken mit einer Höhe von 1,5 m, wo der ein oder andere ängstlich den Kopf einzieht. Hängen bleibt keiner. In einer Imbissbude in Liebenwalde wird Gulasch oder eine Bratwurst getilgt. Die über die Menge der Ruderer überraschte Küchenfee schafft es nach einer Weile alle Mägen zu füllen. Nach einer Handschleusung gelangen wir wieder auf den Oder-Havel-Kanal. Allen voraus die Havel. Schließlich gelangen wir zur Schleuse Oranienburg, wo ein Boot nach dem anderen geschurrt wird. Fingerspitzengefühl des Steuermanns ist hier gefragt, da der Eingang zur Schurre recht schmal ist. Nun gilt es nur noch drei Kilometer über den Lehnitzsee zu rudern bis wir freundlich von Frank und Eric vom Ruderclub Oranienburg empfangen werden. Die zwei helfen dem unkoordinierten "Pack" die Boote aus dem Wasser zu tragen, diese schließlich abzuriggern und auf einen Anhänger zu montieren. Aufgrund einer Bombenbergung kann zurzeit kein Ruderboot zwischen Oranienburg und Birkenwerder passieren. Die Boote werden dankenswerterweise von unserem Mitruderer Christian zum Birkenwerder Ruderverein transportiert. Da der Ruhetag auf einen Feiertag fällt, geht Landdienst Thomas essentielle Einkäufe für den morgigen Tag tätigen. Was an diesem Abend alle höchst erfreut: Es gibt Pizza! Für alle aus der Fahrtenkasse gesponsert! Da lässt sich keiner auf die Füße treten. Auch nicht der liebe Keule, der sich mit seiner 80cm-Durchmesser-Pizza wohl etwas überschätzt hat. Es gab einiges an Gelächter und unsere Dänen spendieren nen Packen Dosenbier als Neuwasserlage. Als die letzten Sonnenstrahlen die Landschaft verlassen, sammeln sich die Ruderer im Hafen-Büro. In dem kleinen Schuppen tummelten sich wohl noch nie so viele Leute. In der Ecke ein kleiner Gasofen. In der kuschlig-lauschigen Atmosphäre werden Geschichten über die Vergangenheit ausgetauscht. Insbesondere über die Anfänge der Oder-Umfahrt gibt es viel zu berichten. Sehr beeindruckend, wie alles anfing. Ohne Landdienst, mit pitschnassen Baumwollzelten, mit Grenzposten auf schwimmenden Stegen, herzlicher Gastfreundschaft und einem Ausschöpfen der Boote im 500-Meter-Takt.

Tag 5: Mittwoch, 01. Mai 2019, Ruhetag
08:00 Uhr. Die Rudergemeinschaft ist höchsterfreut über den freien Tag. Ab geht’s in die Sauna für den Großteil der Meute. Hier werden die Glieder bis ins Mark durchgeheizt und die Haut im Blubberbad abgeblubbert. Andere setzen sich tatsächlich ins Ruderboot – the show must go on! – oder man geht Oranienburg erkunden, passiert einen Marathon, und sitzt stundenlang im Hafenrestaurant. Alles dabei. Klar ist, dass abends alle wieder beieinandersitzen und sich Fleisch vom Grill zugute führen. Auch dieser Abend endet im lauschigen Hafen-Büro der Oranienburger, wo über aktuelle Bauvorhaben der Bundesregierung philosophiert wird oder die Strecke der kommenden TiB-TiB-Tour durch Berlin analysiert wird.

chillen am Wasser

Tag 6: Donnerstag, 02. Mai 2019, 32km
07:00 Uhr klingeln zehn Wecker gleichzeitig. Frühstück. Auto beladen und ab die Post zum Birkenwerder Ruderverein, wo in erstaunlich flüssigen Bewegungen die Boote für den Tag prepariert werden. Heute wird’s chillig. Vorbei an versunkenen Schubern, die die ehemalige Grenze darstellten ist der erste Halt der RCP Saffonia, worüber sich unsere zwei Dänen Peter und Bjørn besonders freuen, da dies ihr Verein in Deutschland ist. Hier gibbet Bockwurscht mit Senf und Schrippe und eine erstaunlich lange Pause. Perfekt, um sich über das Reisen auszutauschen und Witze zu reißen. Als es dann weitergeht zum RC Tegelort bleibt es nicht aus, dass unsere geliebte Claudi beim Boot vom Steg wegdrücken ins Wasser plumpst! Mit der schweren Steuermannsjacke an erhält sie zum Glück augenblicklich Hilfe aus ihrer Mannschaft und wird aus dem Wasser gezogen. Und glücklicherweise hat sie auch ausreichend Wechselklamotten bei. Letztlich ham wa alle ordentlich drüber lachen können. Is ja sonst auch mega langweilig die Tour jewesen. Allet läuft reibungslos, alle Schleusen schalten auf grün, sobald wa se erreichn, der Zeitplan wird die janze Zeit einjehalten – endlich ham wa ma wat zu erzähln hier 😜 Definitiv hat Claudi mit ihrem Outfit, dass se danach anhatte den „Contest of the am dicksten und buntesten angezogenen Steuermann“ gewonnen! Einfach 1A 😆
Nächster Halt dann RC Tegel wo eine neue Wirtschaft uns mit Leberkäs, Kartoffeln mit Quark, Boulette mit Bratkartoffel und einem deliziösen Rhabarber-Streuselkuchen verköstigt. Schließlich drehn wa noch ne Runde um die Zitadelle Spandau und landen nach der Schurre in Spandau auf der Havel. Letzte Übernachtung dann bei unseren Freunden in TiB Tiefwerder. Thomas begrüßt uns und heizt für uns Haus und Hof ordentlich an. Sowohl der Ofen lodert, als auch die Feuerschale draußen, wo die letzten Knabbereien gefuttert werden, die bisher nur hin- und herkutschiert wurden. Jeder bündelt nochmal seine Kräfte für die letzte Tagesetappe.

an der Zitadelle Spandau

Tag 7: Freitag, 03. Mai 2019, 55km
07:00 Uhr. Nach `m letzten gemeinsamen Frühstück legt ein Boot nach dem anderen ab. Man grüßt Herrn Lehmann und landet schließlich aufm großen Wannsee, wo uns die Wellen doch ganz schön zu schaffen machen. Nach den ersten 14 km finden sich die Boote wieder auf’m kleinen Wannsee. Hier ist das Wasser schlagartig ganz ruhig. „Grade Sitzen! Die Wasserschnüffelpatrouille ist im Anmarsch!“, befehligt uns Steuermann Kay. Beim SchülerInnen Ruderverband warten wir etwas länger auf die Havel, die schwer im Wasser liegt und einige Wellen abbekommen hat. Als alle Boote wieder beisammen sind, wird die letzte Schleuse der Etappe in Kleinmachnow anvisiert. Hier haben alle Ruderer die Gelegenheit sich ein paar Brote zu genüge zu tun oder im Gebüsch zu verschwinden. Etwa eine halbe Stunde warten wir, bis die Ampel grün wird. 
warten auf Grün an der Schleuse Keinmachnow
Es heißt nun vornehmlich Teltow-Kanal, Teltow-Kanal, Teltow-Kanal. Kurz wird darüber nachgedacht die Mittagspause im Tempelhofer Hafen zu streichen, was jedoch vehement abgeschlagen wird. Im Hafenbecken kehren wir im türkisch anmutenden Marti-Fischrestaurant ein. Dorade und weiteres vom Grill wird hier empfohlen und von dem warmen Fladenbrot kann ich gar nicht genug bekommen. Eine gute Entscheidung hier noch einzukehren und die Tour Revue passieren zu lassen. Als wir nach letztem Steuermannswechsel bei Wiking schließlich in den Endspurt Spree abbiegen, begrüßen uns sich aufwiegelnde Wellen von allen Seiten. Welcome home! Nach dem Schi-Scha-Schaukel-Trip über die Spree gelangen wir an unseren Heimathafen genau zum Ende des Trainings unserer Junioren. Welch eine Freude die jungen Freunde wiederzusehen! Nun gilt es die Boote noch auf Vordermann zu bringen und eine Mängelanalyse vorzunehmen. Fix und fertig verabschieden wir uns voneinander. Auf ein Neues und bis bald! Die Tour hat nun ihr Ende gefunden und jeder von uns trägt 385km mehr aufm Buckel.
Aufregend war’s. Körperlich, wie geistig. Richtig gut sind se im Meckern, Glauben und Besserwissen die Herrschaften, aber auch im Lachen, Witze reißen und herzlich und hilfsbereit sein. Danke an euch alle für diese einzigartige Tour! Bin gerne wieder dabei! Ein ganz besonderer Dank geht an Udo für die tolle jahrelange Organisation dieser mächtigen Tour! Wer wird nur in deine Fußstapfen treten? Denn noch einmal möchte der Gute das nicht übernehmen. Wäre zu schade, wenn diese Tour abgeblasen werden müsste. Freiwillige vor!
Und ich appelliere an die junge Generation und die Damen der Rudergemeinschaft. Macht mit! Die Fahrt lässt an persönliche körperliche Grenzen stoßen und ist gleichzeitig für jeden, der gerade in einem Boot sitzen kann, überaus machbar. Die Landschaft ist abwechslungsreich und birgt viele Geschichten, die uns die Alten gerne erzählen. Und wem können die Alten die Geschichten erzählen, wenn keiner von uns da ist? Und wer soll eine frische Brise zwischen die Reihen der Alten wehen, wenn kein Wind aufkommt?
nach so viel Kilometern darf man sich auch mal strecken

2019 © Undine Habermann

Freitag, 25. Mai 2018

Frühlings-Trainingslager 2018 in Zernsdorf

Vom 2.4 bis zum 6.4.2018 fand unser Trainingslager in Zernsdorf statt.




Am Ostermontag trafen zwischen 11:00 und 12:00 Uhr so langsam alle im Trainingslager ein. Nachdem von der Mannschaft gemeinsam das Mittagessen zubereitet wurde, gab es eine kleine Pause zum Verdauen, in der wir besprachen, wie der Tagesplan aussehen sollte. Um 14:00 Uhr sind wir eine halbe Stunde joggen gegangen und machten danach noch ein paar Laufübungen. Gegen 20:00 Uhr trafen noch Edwin und Hugo ein.

Dienstagmorgen hatten wir um 6:30 Uhr auf dem unberührten Krüpelsee unsere erste Trainingseinheit und fuhren bis zur Schleuse „Neue Mühle“ und zurück noch einen kleinen Schlenker über den Krimnicksee. 
Spiegelglatt empfängt uns der See
Zum Frühstück gab es immer frische Brötchen. Nach dem gelungenen Start in den Tag mussten wir um 10:00 Uhr zur zweiten Einheit ran. Zum Mittag gab es Kartoffelbrei mit Fischstäbchen, Chicken Nuggets und einen sehr leckeren Salat, der zu Heikos Hauptspeise wurde. 14:00 Uhr mussten wir für die letzte Einheit noch mal ran. Danach ließen wir den Tag mit Beachvolleyball und Wikingerschach ausklingen, Jonas und Heiko mussten sich dann noch als Grillmeister beweisen.


nicht nur rudern stand auf dem Programm
Am Mittwoch durften wir morgens auf dem Wasser einen sehr schönen Sonnenaufgang miterleben. Was uns dazu motivierte, wieder 110 Prozent zu geben – trotz der Müdigkeit.

Romantik
Zum Frühstück gab es wieder frische Brötchen und von Heiko zubereitetes Rührei mit Speck und Zwiebeln. Zwar begannen wir mit der zweiten Einheit etwas später, weil Lukas beim Einsteigen in das Boot mit dem einem Bein auf einmal im Wasser stand, doch wir nahmen es alle mit Humor. Zum ersten Mal in diesem Trainingslager fuhr die „Amsterdam“ als Mixed-Boot auf dem Wasser. Die Crew bestand aus Hugo, Noa, Pia und mir (Anton) auf Schlag. Selbst Steuerfrau Gudrun war nach dem Training mit unserer Leistung zufrieden. 

Zum Mittag gab es Reis mit Fleisch und Soße. 14:00 Uhr war noch mal eine entspannte Einheit. Erik war noch schnell mit uns einkaufen. Abends gab es Brot und das aufgewärmte Mittagessen. Ca. 22:00 Uhr mussten Heiko, Gudrun und Erik schnell alle Skulls auf den Boden legen und die Boote befestigen, weil es draußen stürmte und gewitterte.

Donnerstag war wie gewohnt um 6:30 Uhr die erste Einheit. Heiko zeigte dem C-Vierer den schönen Zernsdorfer Lankensee. Nach dem Frühstück kam Wembley zur Unterstützung von Heiko. Bei der zweiten Einheit bemerkten die Trainer mitten auf dem Krüpelsee, dass die komplette Crew der „Amsterdam“ die Skulls falsch herum eingelegt hatte. Also hieß es auf dem Krüppelsee: „Skulls tauschen!“

Der Trainer ist uns immer auf den Fersen
Zum Mittag gab es selbstgemachte sehr leckere Pizza.
14:00 Uhr gingen Chiara, Gudrun und Lukas joggen, Edwin und Jonas kamen in der Zeit wieder (sie waren Mittwochfrüh nach Berlin gefahren, um in die Uni zu gehen) und Wembley fuhr mit Mathew und Laura (in Renn-Einern) sowie Hugo und mir (im Renn-Zweier) aufs Wasser. Während wir die Boote aus dem Wasser trugen, fing es schlagartig an zu regnen und Windböen zwangen uns dazu, möglichst schnell alle Boote zu befestigen. Abends kam Helge, er brachte ein Mini-Billard mit und Filme für unseren Filmabend. Außerdem kamen noch Wanderruderer des R.C. Lauenberg, mit denen wir uns für die letzte Nacht das Haus teilten.

Am Freitag, dem letzten Tag des Trainingslagers, durften wir bis zum Frühstück schlafen, was allen sehr gut tat. Nachdem wir alle mit dem Frühstück fertig waren, fuhren wir ein letztes Mal aufs Wasser. Danach verluden wir alle Boote auf dem Trailer, packten unsere Siebensachen und brachten im Haus wieder alles auf Vordermann. Gegen 15:00 Uhr machten sich die letzten auf den weg.

Nachtrag: Auf Wunsch von Erik musste der Autor dieses Berichtes die Temperatur des Krüpelsees im Frühling 2018 durch „Reingeschubstwerden“ testen.


2018©Anton Grünholz




Dienstag, 19. Juli 2016

Kiesseefahrt 2016 - ein Reisebericht

Reisebericht eines Neuankömmlings, eingefangen im Unisport
Kiessee Wanderruderfahrt 09./10.07.2016

14 Kameraden, davon 5 Unisportler (alle Neuwasser ab Müggelsee)
Drei gesteuerte Vierer (einer mit Loch)

Fahrtenleiter: Seewolf Keule
Bootsbesetzung:
Boot Werlsee: Udo, Charlotte, Thomas, Laura, Jens
Boot Spree: Seewolf Keule, Helge, Claudia, Björn, Jana
Boot Moldau: Heiko, Undine, Detlef, Bernhard

Wer nicht selbst schon einmal 80 km in 2 Tagen mit Skulls in den Händen hinter sich gelegt hat, der hat keine Ahnung worauf er sich einlässt.
Die Vorfreude darauf ist geradezu unermesslich und zurück bleibt ein taumeliger Seegang, geprägt von einem Dauergrinsen, doch purer körperlicher Erschöpfung, die es wert ist, auf sich zu nehmen.
Es geht viel zu früh los, aber je früher, desto weiter kommt man und je weiter man kommt, umso schöner wird es. Weit weg in unbekannte Gewässer, die sich aus Sicht eines Ruderbootes dahinschlängeln wie Weltmeere.

Klar Schiff machen
Und genauso starteten wir durch unsere 1. Etappe. Samstag 9 Uhr. Stürmisch, bewölkt und es roch nach Regen. Claudia und Keule erzählten schon auf dem Weg Schauermärchen über den unbändigen Müggelsee und sie wurden wahr. Das Neuwasser türmte sich vor und hinter uns auf, doch Keule blieb ruhig und manövrierte uns sicher in den sicheren Schlund der Müggelspree, wo sich das Wetter beruhigte. Ein Vierer (Udos Boot) hatte den Weg am Ufer des Sees eingeschlagen und wir waren in Sorge, ob sie es schaffen, doch der Seebär kennt seine Wege. Das war mit Abstand der aufregendste Teil der Wanderfahrt, da man sich vorstellen konnte, wie es wohl in solch wilden Gewässern zugehen muss, in denen sich Weltenumsegler befinden.

Boot: Spree, Konzentriert durch Klein Venedig
Als wir durch Klein Venedig schipperten, brach der Himmel auf und der Dämeritzsee war greifbar nah. Das Rudern nahm jetzt einen geschmeidigen Lauf und wir glitten durch seichtes Wasser. Back- und Steuerbords erschlossen sich Wassergrundstücke von denen man nur träumen kann. Es muss doch einen unbekannten Verwandten geben, der sein Wassergrundstück zufällig loswerden will?
Auf dem Dämeritzsee angekommen, fuhren wir vorbei an unserem Nachtlager der Wasserfreunde, um noch 14 km weiter Richtung Mittag zum Kiessee zu rudern.

Diese Fahrt war schön, denn hier begann die Ferne und ein Neuwasser nach dem anderen bahnte sich unseren Weg. Es wurde ruhig und wir genossen die Stille, die nur durch Detlefs, Udines und Heikos Singsang seine Vollendung fand.
Über das Flakenfließ kurz in den Flakensee, dann scharf rechts in die Löcknitz und ewig geradeaus. Hier gab unser erstes Bier bei einem Italiener, und das schmeckte einfach wunderbar.
in den Werlsee, vorbei an der Liebesinsel rüber in den Peetzsee und dann bis ans Ende des Möllensees. Dort in den Stichkanal. Hier waren die Gewässer vom letzten Sturm mit Geäst gefüllt, so dass unsere Steuerfrau Claudia gut zu tun hatte und klare Anweisungen ausstieß. Das kann sie gut. Nach der „Röhre“ noch den Kiessee bis zum Ende und am Campingplatz angelegt. Der Ausstieg war wie Keule sagte: „Oh, schon wieder ne Leiche.“
Die Kleinsten sind von unseren Booten begeistert

noch einmal durchgewischt 
Jetzt gabs erstmal n ordentliches Schnitzel oder auch zwei wer ein normales (großes) bestellt hatte und ein Eisbein für Udo, das ihm dann später quer hängen sollte. Die Bedienung war ruppig, aber echt und der Hausherr spendierte noch einen aufs Haus. Danke dafür.

noch n Bier!!!
endlich was zu essen

zufriedener kann man nicht gucken

Der Weg zurück in unser Nachtdomizil war dank Keule mit dem sinnlichsten Stück der Fahrt erfüllt. Die Alte Löcknitz, die ich steuern durfte, haarscharf hindurch mit Kappenmanöver und „steuer-, backbord über“ vorbei am Ursprung der Wasserläufe. Einfach Natur und sonst nichts.
Endlich angekommen bei den Wasserfreunden Erkner, im Dachboden eingewiesen, schmissen wir uns erschöpft und glücklich auf die Decken und veranstalteten eine Massenmassage. Keule hatte den Grill schon entfacht und bevor wir wieder was essen konnten durchschwammen wir den Dämeritzsee. Endlich waren wir nicht nur umgeben von Wasser, sondern waren auch mal drin. Angenehm kühl und rein. Und dieser Duft…Wasser.
Chillen
Der Abend wurde dann immer später, etwas betrunkener und sehr lustig. Was mit Schnik-Schnak-Schuk begann, endete mit Pantomime von Bruttosozialprodukt. Detlef hatte es erraten, was für ein Genie.
Blick auf die Alte Spree

Quatschen und Gegrilltes futtern



Gefühlt um eins im Bett, erwachten die gestandenen Hasen gefühlt um vier und schmissen uns gefühlt um sechs aus der Koje. Oh je, der Kopf und die Beine und die Arme. Aua, aber was solls. Macht man ja nicht alle Tage. Also ab in den See mit Undine, wo der Himmel zu versprochenen 30 Grad aufbrach. Erfrischt und 2 cm wacher zurück, stopften wir uns ne trockene Stulle in den Mund, packten gehetzt unsere 7 Sachen, denn die Hasen wollten los. Rudern? Haben wir das nicht schon gestern getan? Ja, Rudern. Endlich.
Rein, Zähne zusammenbeißen, einfach rudern, denn aufhören kann man ja nicht und dann tut auch irgendwann nix mehr weh. Es funktioniert.

Unsere Etappe sollte heute im Kalksee über den Flakensee münden, bevor es gen Heimat ging. Die Attraktion: Woltersdorfer Schleuse. Fantastisch. Groß, mit aufklappbarer Straße und DJ. Wir legten auf der Seite für die Sportboote an – das mißfiel aber der Schleuserin und rief uns aus die andere Seite zu nutzen. Wie auf dem Bahnhof. Lustig. Nicht lustig war, dass unser Steuer nicht mehr zu befestigen war, d.h. wir waren steuerlos. Aber nicht wirklich. Claudia kann ja gut Befehle geben und Helge verdrehte sich spitzenmässig den Hals. Wir ruderten mal Backe mal Steuer über.
An der Spitze vom Kalksee im Rüdersdorfer Ruderverein konnte unser Superman Heiko doch Tatsache das Steuer reparieren. Dafür brauchte er es nur anfassen. Der Wahnsinn. Wie macht er das bloß? Somit konnten wir getrost unsere Heimreise antreten und eine letzte Stärkung vor der Schleuse am Imbiss einnehmen. Heiko trampelte mit den Füßen. Ja, wir kommen. Mit vereinten Kräften geht’s einfach weiter.

Keule und Claudi und Pferd

plötzlich kam ein Cowboy und stellte sein Pferd ab

Über Flakensee und Flakenfließ, rein in den Dämeritzsee und den langen langweiligen Gosener Kanal, hinein in den schönen Seddinsee, der von einem endlos verzauberten Seerosenfeld bedeckt ist. Ab hier ist alles lang, erstreckt sich kilometerweit geradeaus und es wird lauter, denn es ist Sonntag. Sonntag und blauer Himmel. Und wie es an solchen Tagen ebenso ist. Boote, nochmal Boote, Sonntagsfahrer, Segler, Paddler, die ganze Palette. Es schaukelt, manchmal schön, manchmal hochseeartig. Aber eines ist gleich. Die Wellenverursacher haben noch nie in einem Ruderboot gesessen, denn sie verstehen nichts von der Verdrängung des Wassers bei hohen Geschwindigkeiten. Keule kann endlich motzen.

kurze Rast beim ESV Schmöckwitz

der Ältesten Rat tagt



Die letzte Pause machten wir wohl noch im Seddinsee am ESV, bevor es die letzten 14 Kilometer die Dahme (Langer See) und dann wieder in die Spree ging.
Obwohl der Sonnenstich nah war, die Glieder nicht mehr konnten und nun auch mal genug mit Rudern war, machte sich in mir eine Melancholie breit, da der Weg nur noch so kurz war. Ab jetzt wurde jede Bewegung noch einmal gespürt, das letzte aus den Muskeln gepresst und versucht so zu rudern wie es die Meister gelehrt haben.
Die Ankunft war nüchtern, alles raus aus dem Boot, matte Gesichter. Erst die Arbeit, dann die Freude. Vielleicht war es aber auch die Trauer darüber, dass es schon vorbei ist, denn angefühlt hat es sich viel länger.
Wir sprangen nochmal in die Spree, schwelgten im Vorabend und begossen ihn mit Geselligkeit.
So anstrengend es auch war. Rudern ist urig. Und sieht einfach toll aus (auch Heiko im Einteiler). Du setzt dich rein und fährst hin wohin du willst, aus eigener Kraft. Schön.

Der Abschied fällt schwer - also hängen wir noch vorm Bootshaus ab

Danke liebe TIB-Freunde. Danke für diese Erfahrung und die Möglichkeit daran teilzunehmen. Wir sind infiziert und machen weiter. So oder so!


2016 © Jana Utke