Sonntag, 13. September 2015

Wanderfahrt Wolgast–Usedom

RV Wolgast Panorama (Foto: 2015 © Helge Kubath)
Zwölf Verrückte haben sich zusammen gefunden, um auf Usedom zu rudern - Oberverrückter Heiko hatte dazu aufgerufen. Bereits im letzten Jahr war er mit vier anderen Kameraden dort, um das Revier auszukundschaften.

Dieses Jahr gab es ein Dutzend neue Kandidaten, insbesondere aus dem Schüler-Rudern. Björn, Frederick, Edwin, Gunnar, Laura, Chiara, Charlotte, Heiko, Thomas, Frank, Bojana und Helge reisten zu der beliebten Ostseeinsel, um die Riemen zu pullen.
Inrigger verladen (Foto: 2015 © Helge Kubath)

Bereits am Donnerstag verluden wir die zwei Inrigger von TiB auf den Trailer. Diese Boote sind aufgrund der breiten und oben geschlossenen Bauweise besonders gut zum Hochseerudern geeignet. Heiko klemmte den Trailer an seinen Jeep und düste noch am Donnerstagabend an die Küste.
Alle Anderen folgten am Freitag. Gegen Nachmittag angekommen konnten wir es nicht erwarten und sind nach Zeltaufbau und Vereinsinspizierung sofort in See gestochen.

"Inrigger Rennen" (Foto: 2015 © Helge Kubath)
Auf der Peene machten wir uns mit den Booten vertraut. Nur Heiko, Thomas und Charlotte haben ordentliche Riemen Erfahrung. Alle anderen hatten es kurz vorher gezeigt bekommen oder müssen jetzt ihre Bekanntschaft damit schliessen. Aber alles nicht so schwer. Nach gut einem Kilometer sind wir eingegrooved und knüppeln über die Peene.

"Heiko glücklich" Foto: 2015 © Thomas Holl

"Jagd auf Roter Oktober" Foto: 2015 © Thomas Holl

"Davongefahren" Foto: 2015 © Thomas Holl



Wir bewundern die Schilfufer und die grossen Segelschaluppen. 

Zurück zum Heimathafen RV Wolgast, um auf dem Grill ein lecker Abendbrot zuzubereiten. Bis spät in den Abend klönen wir und lachen uns die Seele aus dem Leib.

"Frühstück" (Foto: 2015 © Heiko Engel )

Am nächsten Morgen stehen alle pünktlich auf und frühstücken kräftig. Schließlich haben wir heute Großes vor: Die Peene rauf bis zur Ostsee. 
Den Anfang des Wegs kennen wir bereits von gestern. Doch diesmal rudern wir noch weiter bis wir an den Hafen von Peenemünde kommen. Hier machen wir etwas länger Pause. Aber nicht bevor wir ein paar coole Bilder mit dem U-Boot gemacht haben.

"Angriff" (Foto: 2015 © Helge Kubath)

"Piratenbraut" (Foto: 2015 © Helge Kubath)
Thomas hatte leider schon im Hafenbecken festgemacht. Da wollten wir aber nicht hin. Wir legten in der Bucht vom U-Boot an - hier liegt auch ein Restaurantschiff in das wir dann einkehrten. Thomas und Crew wollten dann wohl doch nicht alleine bleiben (leider konnte man nicht einfach die Bucht entlanglaufen) und kamen kurze Zeit später zu uns gerudert.

Pause im Hafen (Foto: 2015 © Helge Kubath)

Ok, weiter geht's. Aber die Mädels wollen nicht mehr weiter. Die Dimensionen sind hier schon anders. Teils rudert es sich auch schwierig wegen den Sandbänken - aber das erfahren wir erst so richtig auf der Rückfahrt.

Also kleine Neukonstellation der Besatzung: Heiko rudert mit den Mädels zurück und der Rest will noch weiter die Ostsee anstechen. Während Heiko nebst Crew die Peene wieder zurückrudert, heißt es für uns scharf rechts und weiter gen Peenemündung.

Wo geht den die Ostsee nun los? Wir rudern und es zieht sich. Aber das liegt wohl vor allem an der falschen Erwartungshaltung. Jeder rechnet mit Wellen. Doch denkste. Die Ostsee ist so flach, da träumen wir in Berlin von. So etwas bekommst du vielleicht mal abends auf dem Müggel'  präsentiert - wenn dir kein Motorboot dazwischenfunkt.

Die Dimensionen auf dem Wasser sind auf jeden Fall etwas anderes. Die Wellen verlaufen sich schön und werden nicht vom Ufer zurückgeworfen - anders als wir das ständig bei den Spundwänden in Berlin erleben.

Langsam wird es offener und dann kommt der Moment – kein Land am Horizont – wir sind auf der Ostsee. Also wir waren schon noch in Landnähe - nicht das ihr denkt wir wären bis auf's Meer hinausgerudert - das machen wir erst beim nächsten Mal :-) .

"Ostsee" (Foto: 2015 © Helge Kubath)

"Tschüß Ostsee" (Foto: 2015 © Helge Kubath)

OK. kurz ausruhen und zurück.
Wir folgen Thomas  - er kennt sich hier ein wenig besser aus als wir. Doch was ist jetzt los? 
Das Ziehen der Riemen wird auf einmal extrem zäh und schwer. Es ist als wenn man die Riemen durch Gelée zieht. Ich sehe, dass ich am Blatt enorm viel Sand aufwirbele. Kann das sein? Wir sind doch direkt neben der Fahrrinne! Das Ufer ist gut 30 bis 40 Meter entfernt. 
Das Pullen ist inzwischen fast unmöglich. Charlotte greift sich den Piker und checkt die Tiefe des Wassers. Upps, gerade mal 30 Zentimeter. Wir schieben unseren 2er-Innrigger gerade über eine ordentliche Sandbank. Doch jetzt ist es zu spät. Nur nicht stehenbleiben, sondern Fahrt beibehalten. Wir prügeln die Riemen durch die zähe Masse. Langsam wird es wieder entspannter und 20 Meter vom Land entfernt rudert es sich wieder wie man es gewohnt ist. Verrückt. Das Sandbankphänomen lässt sich rückblickend auch gut daran erkennen, dass das Boot plötzlich eine Welle hinter sich herzieht.  Memo für die nächste Tour hier.

"Das hätte man doch sehen müssen" wird jetzt der ein oder andere sagen. Ja hätte man – wenn nicht derzeit das Gewässer dermassen gekippt wäre, dass man außer Algen nichts mehr sah. Die Brühe war giftgrün. Sichtweite: Null Zentimeter. 

Wir wollen einen Zwischenstopp. Wir steuern bei tropischer Hitze auf einen kleinen Strand zu. Zwanzig Meter vor dem Ufer müssen wir jedoch stoppen. Es ist wieder so flach, dass wir uns dazu entschieden auszusteigen und die letzten Meter das Boot an Land zu ziehen. 
Pinkeln, Essen und Bootsmannschaften gemixt. Weiter geht's.

"Chillen" (Foto: 2015 © Thomas Holl)

In Wolgast wieder angekommen sind wir alle gut geschafft, aber glücklich. Nur die beiden Junioren nicht: Edwin und Gunnar gehen noch auf dem Ergometer im Vereinshaus Kilometer schrubben. Wenn das mit denen so weitergeht, sehen wir die in ein paar Jahren im Deutschland Achter.

"…es wurde geblödelt…" (Foto: 2015 © Thomas Holl)
Abends wird wieder gegrillt, gefachsimpelt und gelacht. 
Einer unserer jüngeren Kameraden ist vom Workout am Tage so geschafft, dass er uns am Tisch einschläft. Wir bringen ihn zu Bett und beenden auch rechtzeitig den Abend, bevor morgen alle durchhängen.

Am nächsten morgen wieder Stullen geschmiert und rein ins Boot. Heute wollen wir in die andere Richtung und Achterwasser durchpflügen. Dummerweise verabschiedete sich noch am Steg die Dollenschraube beim Gnitz-Boot. Plumps war sie im Wasser auf nimmer Wiedersehen. Verdammt. Die weichen Plastikdollen kann man in keinster Weise offen fahren. Also wieder zurück ins Bootshaus und die Dollen von anderen Booten durchprobiert. Logischerweise sind alle Schrauben fest und lassen sich nicht einfach vom Gewinde runterdrehen - ich weiß bis heute nicht wieso das passiert ist. Aber an einem Einer haben wir Glück und auch hier lässt sich die "Mutter" komplett runterschrauben. 
Ausfahrt gerettet. Leinen los und ab  - unter der schicken Zugbrücke hindurch.
"Vogelspektakel"  (Foto: H2015 © Helge Kubath)

Wir fahren vorbei an größeren Reedereianlagen und Militärschiffen. Später wird es wilder an den Ufern und wir sehen Kraniche und andere Tiere, die die Ufer für sich beanspruchen. Das Wasser bleibt leider giftig grün.

Achterwasser erreicht geniessen wir den Blick rüber zu Gnitz (Namensgeber für das Boot in dem ich gerade rumkutschiere).
Uns reicht es. Wir kehren um. Auf halber Strecke begegnen wir noch einer Schaluppe  - die hatten wir auch schon die letzten Tage aus der Ferne ab und zu gesehen - doch diesmal ganz nah - kreuzte sie unseren Weg. Schon schön anzusehen so ein Zweimaster.


"Schaluppe" (Foto: 2015 © Helge Kubath)

Es fängt an zu regnen. Wir gehen wieder in die Auslage und rudern weiter gen Heimathafen Wolgast.

Die Angler und anderen Motorboote flüchten ebenfalls und machen ordentlich Welle. Jaaaa - so habe ich mir Ostsee vorgestellt. Unser Bug kracht mit Getöse durch die Wellen und wir konzentrieren uns, um nicht die Skulls und Riemen zu verlieren. 
Auch wenn die Wellen nicht von Natur her kamen - die Seegigs konnten so zum Schluss nochmal zeigen, wozu sie dienen.

"Sonnenuntergang" (Foto: 2015: Helge Kubath)

Kaum hatten wir angelegt, eroberte sich die Sonne wieder ihren Platz am Himmel und trocknete unsere Zelte und Boote. Wir räumten ein und verluden die Boote wieder im Bootshaus und auf unserem Trailer. Charlotte turnte in den Seegigs rum und verzurrte die Innenseiten mit dem Trailer.

Charlotte zurrt die Seegigs wieder am Trailer fest (Foto: 2015 © Helge Kubath)

In der Gaststube noch letzte Instruktionen für die Heimreise und ein Megafettes Danke an unsere Gastgeber. Jens - Du warst Spitze.

Wir springen in die Autos und cruisen zurück nach Berlin. Doch einen Zwischenstopp können wir uns nicht verkneifen. Diese falsche Schreibweise eines Ortsschilds müssen wir natürlich einmal richtigstellen.

Autocorrect 2.0 (Foto: 2015 © Charlotte Schmidt)


In Berlin angekommen werden die beiden Seegigs abgeladen und wieder liebevoll an ihre Plätze in der Bootshalle postiert. Mit der Erfahrung von diesem Jahr werden wir es im nächsten Jahr bestimmt einmal um die Insel rum schaffen. Mal schauen. 

Feuerwerksartiger Dank gilt unserem Fahrtenleiter Heiko Engel, der alles so top organisiert hat.

2015 © Helge Kubath








Weitere Bilder von unserem Abenteuer könnt ihr in der Slideshow sehen.



Freitag, 14. August 2015

Sommerfest 2015

eine leichte Briese (Foto: 2015 © Helge Kubath)
In diesem Sommer reiht sich wirklich ein Hitzewochenende nach dem anderen.

Am Samstag dem 08. August 2015 luden wir unsere Kameraden und Freunde zum Sommerfest ins Wassersportzentrum ein.

Gegen 13:00 Uhr trafen sich die ersten Kameraden für eine Ausfahrt Richtung Oberbaumbrücke. Das ist ein Ziel, das wir wegen den Wellen und dem regen Schifffahrtsverkehr eher meiden, aber heute haben wir ja auch unsere Freunde vom TiB Tiefenwerder zu Gast. Diese wollen natürlich auch mal unser Ruderrevier kennenlernen und somit bietet es sich an das Ganze mit ein wenig Sightseeing zu verbinden.

Wir legen mit einem Dreier und einem gesteuerten Vierer ab und steuern Richtung Innenstadt. Heiko macht als Steuermann den perfekten Reiseführer. 

Der Dreier mit Charlotte, Stephan und Thomas düst derweil davon - die Rennruderer können selbst bei der Hitze es nicht gemächlich angehen lassen.

Wir schauen derweil was sich so alles an den Ufern verändert hat. Beim TRB sind die Baracken abgerissen worden, aber der angefangene Rohbau nebenan scheint weiterhin zu schlummern.
Die Neue Brücke am Britzer Verbindungskanal nimmt hingegen tagtäglich mehr Gestalt an. 

Am Plänterwald vorbei - schaust Du - selbst das Eierhäuschen scheint jetzt endlich einen neuen Inhaber gefunden zu haben. Hoffentlich macht er etwas Vernünftiges.

An der Insel sind wie gewohnt viele Spaßbootfahrer und Ausflugsdampfer. Das Wasserflugzeug scheint heute aber nicht zu fliegen. 
Die Hitze ist erdrückend. Wir beschliessen, abzukürzen und am Zenner wieder zu wenden. Die Rennruderer peilen aber weiter auf die Oberbaumbrücke zu.

Auf dem Rückweg noch das andere Ufer näher inspiziert kommen wir auch bald wieder am TiB WSZ an. Welch' freudige Überraschung: Weitere Mitglieder des TiB Tiefwerder stehen am Ufer und begrüßen uns. Auch unsere frisch gebackenen Eltern Rike und Thomas sind mit ihren Zwillingen da. 
Die Zwillinge - permanent im Mittelpunkt (Foto: 2015 © Helge Kubath)

Wir beeilen uns die Boote wieder in das Bootshaus zu schaffen und gesellen uns zu den Anderen am Grillplatz. Schröders sind ja auch da. Bei Kuchen und Kaffee - später bei Bier und Gegrilltem - klönen wir bis in den späten Abend. Noch viele weitere Gäste trudelten im Verlauf des Abends ein. Sven brachte die ganze Familie - ich wurde von meinem Bruder überrascht.

Schröders & Friends (Foto: 2015 © Helge Kubath)
Unsere Freunde aus Tiefwerder (Foto: 2015 © Helge Kubath)


Mr. H. kann sich gar nicht mehr gerade halten (Scherz) (Foto: 2015 © Helge Kubath)

Fachsimpeleien unter Rennruderern (Foto: 2015 © Helge Kubath)

Es war ein super fröhlicher Abend - viele lernten sich näher kennen und die nächsten gemeinsamen Fahrten sind quasi schon geplant.

Vielen Dank an alle die reingeschaut haben und die Organisatoren.


2015 © Helge Kubath

Donnerstag, 16. Juli 2015

Kiesseefahrt 11./12. Juli 2015

Die Blätter, die die Welt bedeuten (Foto: 2015©Helge Kubath)

Auch dieses Jahr rief "Keule" zur beliebten Wanderfahrt zum Kiessee auf. Die alten Hasen, die an dem Wochenende Zeit hatten, waren schnell gefunden. Auch von Heiko's Studentenruderern meldeten sich drei an. Björn vom Schülerrudern war auch dabei. 

Samstag um 8:00 Uhr trafen wir uns im WSZ. Zusammen mit Klaus, unserem Landdienst, verluden wir unser Gepäck ins Auto. Doch wo bleibt Theresia - müssen wir etwa mit Loch fahren? Zum Glück trudelte auch sie noch ein. Also spannende Aufteilung: Unser Achter "Alte Garde", mit dem wir ein Wochenende zuvor noch Regatta gefahren sind, und der Doppelzweier "Dahme" sollen die zwölf Ruderkameraden dieses Wochenende über unserer Gewässer tragen. Zirka 80 Kilometer erwarten uns.

Theresia und Silvia haben dieses Wochenende viel Neuwasser (Foto: 2015©Helge Kubath)


Aufteilung: Heiko, Thomas und Björn in der "Dahme"  und Keule, Udo, Jens, Silvia, Theresia, Helge, Peter, Jan und Hilmar zusammen im Achter.

Alles fertig und los! Der Achter legt ab. Die "Dahme" folgt ca. einen Kilometer hinter uns.
Bekannte Strecke bis Anfang Müggelsee - das fahren wir oft auch unter der Woche.  Unsere drei Studenten kennen es ebenfalls schon sehr gut.
Am Müggel' angekommen, kurz durchatmen - warm sind wir jetzt - und rüber zu den Bänken. Ab jetzt ist es für die Jüngeren Neuwasser.

Seerosen (Foto: 2015©Helge Kubath)

Nachdem wir den riesigen Seerosenteppich an den Bänken passiert haben, legen wir beim Ruderclub Rahnsdorf an. Kurze Stärkung für alle. 

Danach geht es weiter die Spree hinunter. Viele Paddler und unaufmerksame Flossfahrer machen das Rangieren mit dem Achter in dem engen Flusslauf nicht gerade einfach. Ich sitze am Steuer und habe auch zum ersten Mal den 20 Meter langen Achter zu manövrieren. Nicht nur einmal muss ich uns heute lautstark bemerkbar machen um träumende oder unerfahrene Wassersportler um etwas mehr Platz zu bitten.

Die "Alte Garde" auf Fahrt (Foto: 2015©Thomas Holl)
Aber alles läuft gut. Wir erreichen den Dämeritzsee und stechen auf der anderen Uferseite in das wie immer leicht stinkende Flakenfließ ein (wer mehr dazu wissen will, liest den Bericht aus dem letzten Jahr). 
Rein in die Löcknitz. Es wird noch enger. Insbesondere an den Brücken kommen wir uns mit den Motorbooten ins Gehege. Leider wissen viele der Motorsportler nicht um die Vorfahrtsregeln (und es sind nicht nur die Mietbootnutzer). Das zwang uns uns mehrfach zu einem Notstopp des Bootes, um eine Kollision zu vermeiden. Hier wäre mehr vorausschauendes und rücksichtsvolleres Verhalten gewünscht. Es ist für einen Ruderer sehr unangenehm, das Boot abrupt zu stoppen - insbesondere da der Rudernde selbst oft nicht die Gefahr einschätzen kann, da er rückwärts fährt und nur die Befehle des Steuermanns erhält. Noch gefährlicher bei Ruderbooten ohne Steuermann. Nicht auszudenken, was durch solche Unachtsamkeit geschehen könnte.

Genug Appel an die unsere Motorbootfreunde. Wir sind wohlbehalten bei einer netten Gaststätte in der Löcknitz angekommen. Hier kühlten wir uns kurz ab und einige nutzten dazu sogar Eis. Doch schon kurz darauf wollten wir weiter . 

Kleine Pause bei Rahnsdorf (Foto: 2015©Helge Kubath)

Über den Werlsee, vorbei an der Liebesinsel, rüber auf den Peetzsee - hier waren ganz schön viele Segler unterwegs - nochmal weiter auf den Möllensee.
Wir üben mit der Mannschaft nochmal das Kommando "langmachen" - wir werden es gleich brauchen. Jetzt stechen wir in den Verbindungskanal zum Kiessee ein. Die Bäume überragen den Flusslauf  - die Atmosphäre hat etwas kathedralenhaftes. Im Wasser liegen teils umgestürzte Bäume - Steuermann Keule ist besonders achtsam. Vorsicht! Backbord noch ein Ast im Wasser - SKULLS LANG…

Wir gleiten mit Blick in die sonnendurchfluteten Baumwipfel in eine Wellblechröhre. rechts und links gerade mal 40 cm bis zu den Auslegern. Wir halten die Skulls in der Luft und balancieren das Boot gerade durch die Röhre. "Wer Wasser hat voraus" - ruft Keule. Ein Sitzplatz nach dem anderen kann wieder seine Skulls vor sich nehmen und das Boot vorantreiben.

Am Ende des Sees ist eine kleiner Strand vom Campingplatz. Wir haben etwas Mühe diese "Stretchlimo von Boot" dort einzuparken, ohne den Badegästen ihren Strand zu blockieren.
Keule und ich schöpfen noch ein wenig Wasser aus dem Boot (sehr zum Amüsement der Badegäste).
Dann heisst es essen: Boa, haben wir einen Knast.

Warten auf's verdiente Essen (Foto: 2015©Helge Kubath)

Zurück ist nach der Stärkung ein Kinderspiel. Wir rudern wie wir gekommen sind zurück bis zum Dämeritzsee. Dort legen wir wie gewohnt bei den Wasserfreunden Erkner an und bringen unsere Boote an Land.

Bootsschuppen (Foto: 2015©Thomas Holl)
Wasserfreunde Erkner (Foto: 2015©Helge Kubath)



Hinter dem Bootsschuppen grillen wir abends und klönen bis die Sonne untergeht.
Unter dem Dach packen wir uns müde hin und schlafen gesättigt, müde, und erschöpft, aber wohlverdient ein.

Sonnenaufgang 05:00 Uhr morgens - Dämeritzsee (Foto: 2015©Helge Kubath)

Am nächsten Morgen begrüßt uns ein traumhafter Sonnenaufgang und nach kurzem Frühstück  wollen alle wieder los. Doch nicht so schnell. Heiko hat einen Schaden am Boot: Bei seinem Stemmbrett hat es zwei Schrauben zerrissen. Wir brauchen Hilfe. Zum Glück haben die Wasserfreunde Erkner mehr als einen hilfsbereiten Ruderkameraden, der mit Bohrer und zwei neuen Schrauben schnell wieder das Stemmbrett gefixt bekommen hat.

Schleuse Woltersdorf in der "Dahme" (Foto: 2015©Thomas Holl)
Schleuse Woltersdorf mit der "Alten Garde" (Foto: 2015©Helge Kubath)

Jetzt aber los. Über den Dämeritz' dann weiter über den Flakensee. Woltersdorfer Schleuse. Viele Schaulustige stehen auf der Brücke. So'n Achter sieht man halt nicht jeden Tag. Danach geht's einmal quer über den Kalksee. Wir halten an beim Rüdersdorfer Ruderverein. Man haben die eine  Ausstattung: Schick - sogar mit zwei Ruderkästen. 

Ruderkasten Rüdersdorf (Foto: 2015©Thomas Holl)


Unsere App sagt uns, dass für abends schlechtes Wetter angesagt ist. Wir machen besser wieder los. An der Schleuse essen wir noch schnell was am Imbiss und dann lieber schnell zurück - Vorhersage war eher unlustig.

Heiko und Silvia am Imbiss - Eis und Wurst (Foto: 2015©Thomas Holl)

Den Müggelsee klemmen wir uns gleich - bei dem aufkommenden Wind kommen wir da eh nicht mehr drüber. Also durch den Gosener Kanal. Der Seddiner See begrüßt uns windig. Wir kämpfen uns rüber bis Schmöckwitz und legen da auch nochmal ein Päuschen ein.

Es hilft nichts - das Wetter wird zunehmend unangenehmer. Also Pause kurz gehalten und wieder rauf auf's Wasser.

Pause in Schmöckwitz (Foto: 2015©Thomas Holl)

Oh Mann - was soll das denn: Am Vormittag noch traumhafter Sommer und nun das. Der Wind pfeift uns um die Ohren. Die Wellen schlagen hoch. Auch die Motorboote flüchten zurück in ihre Häfen. Leider ohne Rücksicht auf Regeln und andere Wassersportler. Die Wellen addieren sich und türmen sich höher und höher auf. Den Kaventsmann können wir nicht mehr mit geschicktem Steuern ausweichen. Die kalte Welle schlägt ins Boot und alle neun Insassen sind nass. Es hilft nichts - wir  müssen weiter. Die Innenhebel eingedrückt rudern wir mit erhöhtem Schlag gen Heimat. Peter steuert perfekt den Achter und versucht uns weitere Wellenbrecher ins Boot zu ersparen.

Hier war das Wetter noch in Ordnung (Foto: 2015©Helge Kubath)

Der Wind stand dermaßen ungünstig, dass wir bis zum Köpenicker Becken massiv gegen den Wind kämpfen mussten.
Am Ende kamen wir wohlbehalten, aber gut ausser Atem am Vereinsgelände an. Zu erwähnen sei, dass unser Zweier es tatsächlich geschafft hatte, in diesem Wellenmeer den Achter zu überholen und als erster am TiB-Steg anzulegen. Alle Achtung, Heiko und Thomas scheinen gut in Form.

Wir schaufelten noch die gefühlten 80 Liter aus dem Achter und wischten alles trocken. Der Landdienst brachte unsere Klamotten wieder. 

Alle hatten trotz des etwas anstrengendem Schlußsprints eine geile Zeit und auch unseren Studenten hat es sichtlich Spaß gemacht. Keule war der Held des Wochenendes - er hatte als Fahrtleiter alles perfekt organisiert. Die Fahrt scheint von Jahr zu Jahr an Beliebtheit zu gewinnen - letztes Jahr noch 10 Kameraden - dieses Jahr bereits 12 Skuller. Im nächsten Jahr brauchen wir bestimmt drei oder mehr Boote. Mal schauen ob es dazu kommt.

Am Steg von den Wasserfeunden (Foto: 2015©Helge Kubath)
Die "Alte Garde" schläft (Foto: 2015©Helge Kubath)
Keule schläft auch: am liebsten zwischen Booten (Foto: 2015©Helge Kubath)

Heiko macht Pilates (Foto: 2015©Thomas Holl)
Schnacken am See (Foto: 2015©Helge Kubath)



Text: 2015 © Helge Kubath

Freitag, 10. Juli 2015

18. Müggelseeachterregatta

Es ist Samstag der 04. Juli 2015. Die Sonne schien - nein sie brannte. Mit 38 Grad Celsius lähmte sie Berlin. Alles kroch nur noch und lechzte nach Wasser. Wer ein Plätzchen im Pool oder  im Freibad ergatterte konnte sich glücklich schätzen.

Ganz anders bei Ägir - dem Ruderverein kurz vor der Einfahrt zum Müggelsee. Dieser hatte zur Regatta geladen. 42 Boote aus der ganze Republik waren erschienen - jeweils mit neun Mann, um die Achter Regatta auf dem Müggelsee zu bewerkstelligen. Doch die Hitze war enorm.

Vor dem Rennen noch schnell ein Teamfoto (Foto: Ana Belen Gordillo Treitero © 2015)

In den Bootshallen wurde Kuchen gebooten (das zweite O musste sein ;-) und
draussen gab es leckeres vom Grill nebst Kaltgetränk. Doch nichts half. Die Hitze erdrückte uns. Zum Glück erschufen die Ägir-Kameraden ein Sprinklersystem was uns permanent mit kaltem Nass benetzte. Anders hätten wir es bis zum Start nicht ausgehalten.

Startnummer 37 - Alte Garde: Baujahr 1954
 (Foto: Ana Belen Gordillo Treitero © 2015)

14:15 Uhr
Gleich sind wir dran - rauf auf's Wasser. 
Die anderen Teams hatten uns schon Angst eingeflößt. Wir hatten kaum trainiert und alle anderen kamen professionell mit Big-Blades und Steuermann samt Headset daher.  
Ok. Wohl doch keine Fun-Regatta. Aber Egal. Nun Augen zu und durch. Doch noch nicht. Verzögerung.  Auf der Schattenseite der Spree parkten wir mit gut fünf anderen Booten und warteten darauf, dass wir loslegen können. Scheinbar bekamen sie die Boote nicht schnell genug aus dem Wasser, wodurch die Spree blockiert wurde.

Trotz Schatten die Hitze drückt.
Endlich die Meldung: Gleich geht's los.
Ran an den Start. "Noch ein Schlag vor!" wurden wir eingewiesen. 




Pfiff! Und Pullen. Wir legten uns ins Zeug - der Start war so mittelprächtig - können wir besser.
Das Boot läuft - wir haben unseren Rhythmus - ich glaube schneller als im Training - muss an der Aufregung liegen.

Spreetunnel passiert: Am Rand sehe ich Familie und Ruderkameraden winken und fotografieren.

Spreetunnel  - bis hier war noch alles gut (Foto: Ana Belen Gordillo Treitero © 2015)

Weiter Pullen! Konzentration! Innenhebel rein - wir haben Wellen! Scheisse ist das heiss! Ich will nicht mehr! Nein! Augen zu und durch! 
Was man so während einem Rennen mit sich selbst so im Kopf redet.

Oh - schon die zweite Boje!  Mann was denn nun los. Platz 7 und 8 hat es bei den Wellen die Holzskulls aus den offenen Dollen gedrückt. Mist!
Alle Anderen versuchen das Tempo zu halten während die Kameraden ihre Knüppel wieder einfädeln.

Dritte Boje: Jetzt wird gewendet! Die Wellen schlagen uns gnadenlos ins Boot. Die Skulls werden glitschig und man muss massiv klammern um den Knüppel nicht zu verlieren. Aber der Steuermann will nochmal alles! "Fünf Harte"- schreit er. Wir sind am Bolzen. Doch es half nichts. Das Team was nach uns startete und immer näher kam überholte uns jetzt. 
Vorletzte Boje. Der Schweiß läuft mir ins Auge, die Nase ist voll Rotz und mein Mund trocken. Roboterhaft funktioniere ich nur noch um dem Lauf nicht zu schaden.

Letzte Boje. "Zusammenreissen": sag ich mir. "Kraft aus den Beinen": schreie ich mich innerlich an.

Einfahrt Spreetunnel (Foto: Ana Belen Gordillo Treitero © 2015)
"Noch 50 Meter"  höre ich unseren Steuermann. Machen wir noch einen Endspurt? Dafür reichte es bei meinen Kameraden wohl auch nicht mehr -bei mir sowieso nicht. Ziellinie - Geschafft. 

Uff. Kaum zu glauben das wir uns das bei der Hitze angetan haben. Wir schippern langsam in den schattigen Uferbereich der Spree. Jetzt erstmal Wasser trinken und das nicht zu knapp.

Eine Paddlerin benötigt noch Hilfe - Ihr Steuerruder ist defekt. Wir gaffern ihr es mal eben hoch damit es nicht mehr stört (Ja wir hatten Panzertape dabei - was denkt ihr denn ;-)

Mit lockerem Schlag bringen wir jetzt die "Alte Garde" nach Hause.

Die Mannschaft muss sich nach dem trockenlegen des Achter von ein paar Kameraden verabschieden: die Anderen fahren zurück zu Ägir um der Preisverleihung beizuwohnen.

Keinen Preis – aber trotzdem glücklich (Foto: Helge Kubath©2015)

Es gab in allen Kategorien stolze Gewinner - wir gehörten nicht dazu. Doch Stolz sind wir dennoch - wir wissen ab sofort was uns bei der Regatta erwartet und wir sind nicht gescheitert. Wenn sich eine motivierte Mannschaft findet werden wir 2016 vorbereiteter ins Rennen gehen. 

TiB dankt ganz herzlich den Veranstaltern vom BRC Ägir.

Bis zum nächsten Mal.

Nachtrag:
Auf der Seite vom BRC Ägir sind inzwischen auch Zeiten veröffentlicht worden. Bilder sollen auch demnächst folgen. Also schaut ruhig mal bei unseren Kameraden rein.
http://www.b-r-c-aegir.de/mueggelseeachterregatta-2

Zweiter Nachtrag (30.09.2015):
Hier gibt's ein kleines Video zum Rennen. Auch viele der anderen Teilnehmer sind zu sehen.


Helge Kubath © 2015

Dienstag, 16. Juni 2015

Vogalonga zieht

Jeden Pfingstsonntag demonstrieren in Venedig tausende Wassersportler aus der ganzen Welt. Sie sind für den motorlosen Wassersport und gegen die Verschmutzung der Lagune. Ihre Kundgebung findet auf der Lagune und dem Canal Grande statt. Die Strecke beläuft sich auf 30 km Wasserlänge. Die Veranstaltung nennt sich Vogalonga.

Detlef, Frank und ich fanden, dass das eine schöne Spaßregatta für die TiB wäre, machten etwas Werbung dafür und kümmerten uns um die Realisierung unserer Idee. Beim Ruderverein Phönix trafen wir auf freundliche Wassersportler, die uns gerne mit ins Boot nahmen. Der Vorsitzende Michael Schneider übernahm den Bootstransport und die Versicherung der Boote, da der Ruf der „Schrottregatta“ Anlass bot, sich um die Boote Sorgen zu machen.

Am Sonntag, den 24.5.2015, standen wir um 4 Uhr in unserer venezianischen Traumwohnung im nördlich gelegenen Quartier Grimani/Cannaregio auf, liefen durch die frühmorgendliche, menschenleere und stille Altstadt Venedigs bis zum Markusplatz. Von Zaccaria nahmen wir ein Vaporetto, das uns über die Lagune bis nach Punta Sabbione zu unseren vier Mannschaften brachte, mit denen Phönix unterwegs war. Die Liegegebühr auf dem Vereinsplatz der Gondoliere war knallig: 10 Euro pro Nacht und Rollsitz!
Palacio Dogana da Mar und Basilica S. Maria d. Salute an der Einfahrt in den Canal Grande.




Um 7 Uhr legten wir ab, sodass wir rechtzeitig zum Start am Markusplatz ankommen sollten. Unterwegs begegnete uns eins der riesigen Kreuzfahrtschiffe bei seiner Einfahrt in die Lagune. Etwas später brachte ein Vaporetto mit seinen Wellen den ersten Kajakfahrer zum Kentern. Vor dem Start gab es noch einen diffizilen Steuermannswechsel bei der Lauenburger Mannschaft direkt gegenüber vom Markusplatz an der gegenüberliegenden Insel am Campo S. Giorgio. Inzwischen war die morgendliche Ruhe auf dem Canal di S. Marco vorbei. Nun lag dort ein unübersehbar großes Feld von Drachenbooten, Gondeln, Ruderbooten, Kanuten, Kajakfahrern und Stechpaddlern.

Start am Markusplatz
Um 9 Uhr fiel der Startschuss. Los gings! Die 30 Kilometer lagen vor uns. Die Strecke führt an der Bauchseite Venedigs; Venedig ist ein Fisch; entlang, geht beim Ansatz der Heckflosse durch die Stadt hindurch, dann zu den Inseln Vignole, S. Erasmo, Burano und Murano, bevor es über die Lagune zurück nach Vendig geht. Die Einfahrt dort ist der Canale della Missericordia in Höhe der Rückenflosse und anschließend durch Canal Grande hindurch bis zum Markusplatz, dem Ziel.

So nah an der Traumverwirklichung dran, fragte ich mich, ob ich mich von dem Tag noch überraschen lassen könnte. Ja, doch! Selbst wenn man Vorstellungen von Venedig hat, ist so ein Tag auf der türkisfarbenden Lagune für sich genommen schon ein Erlebnis. Dazu die Dolomiten am Horizont. Wie im Traum zogen die Boote mit einem durch diese Welt der Ruhe. Auf den unbewohnten und grasbewachsenen Pippi-Islands nutzen viele Boote die Chance für eine erste Rast.
Steuermannswechsel am Campo S. Giorgio

Wir zogen an Burano mit seinen blauen, grünen, roten Häusern vorbei. In Murano fuhren wir durch den Canale degli Angeli und den Canale P. Lungo hindurch. Sah aus wie Venedig in klein und einfach schön! Zuschauer am Ufer gaben viel Applaus für die Gondolieri, wenn sie ihre Ruder in den Himmel streckten. Dann, bei der Überfahrt von Murano nach Venedig, wollte uns gerade ein sehr eleganter Riemenachter überholen, als es Krrrtsch machte. Schreckensschreie, die Mannschaft stieg aus, das Boot sank. Etwas musste im Fahrwasser gelegen haben, denn etwas weiter standen zwei Kanuten und versuchten ihr Boot auszuschöpfen. Wenig später kam die Wasserambulanz.

Die berüchtigte Einfahrt in den Canal Grande war wie in jedem Jahr verstopft. Und klar, es gab rücksichtslose Mannschaften. Aber der Lauenburger Steuermann Jörg gab klare Ansagen, nutzte jede Lücke und setzte sich durch. Den Fehler, Skulls langzulegen, ließ er nicht zu. Bei der ersten Brücke sorgte ein Taucher dafür, dass alle Boote nacheinander heil hindurchkamen. Danach nur noch die Impressionen vom Canal Grande, berührend.
Volksfest bei der Einfahrt in den Canale della Misericordia
Die Rückfahrt über die Lagune zurück nach Punta Sabbione war dann aber kein Spaß mehr, da die Vaporetti und alle anderen Motorboote wieder Volldampf fuhren, sodass der Steuermann sein ganzes Können beweisen konnte und musste, um uns heil wieder nach Punta Sabione zu bringen.
Fazit: Die Vogalonga ist wirklich eine friedliche, entspannte und wunderschöne Kundgebung für den muskelbetriebenen Wassersport! Vielen Dank an Phönix!

Auf der Lagune mit Blick auf die Friedhofsinsel

Text und Fotos: Michaela Dräger


Montag, 8. Juni 2015

Mittwochsrudern


Foto: Jürgen Joachim © 2015

Von einigen sicherlich unbemerkt, auf der Jahresabteilungsversammlung zwar bekanntgegeben, im Sportangebot auf unserer Homepage auch genannt, hat sich das Mittwochsrudern wieder etabliert. Der Wanderruderwart soll ja nicht nur im Hintergrund arbeiten, Fahrten zusammenstellen und Statistiken erstellen, nein auch er soll ein regelmäßiges Angebot für den Ruderbetrieb bereitstellen. Sollte dieser mal nicht da sein, weil dienstlich verhindert, kümmert sich i.d.R. der Ruderkamerad Udo Frieske um den Ruderbetrieb. 
So treffen wir uns also immer Mittwochs ab 16:30 Uhr im WSZ, stellen die Mannschaften zusammen und ab geht’s. Spätestens 17:00 Uhr legen wir ab und rudern in Gig-Booten eine kleine Tour, z.B. nach Grünau zur Tribüne oder bis zum Müggelsee, alternativ auch in die Innenstadt bis zum Haus Zenner. Abgerundet wird das immer mit einer kurzen Pause in der Länge eines Getränkes, möglichst mit Anlegen, damit man sich mal kurz die Beine vertreten kann. So gegen 19:00 Uhr sind wir wieder zurück. Damit ist gewährleistet, dass diejenigen, die dann noch arbeiten oder am nächsten Tag früh raus müssen pünktlich wieder wegkommen. 

Die Teilnehmerzahlen schwanken derzeit zwischen drei und zehn Ruderern und das Alter der Aktiven auch. Vom Schüler bis zum Rentner sind alle Altersstufen dabei. Die Jugendlichen haben sich auch bestens in die Gruppe integriert, werden gern mitgenommen und sind sichtlich mit Spaß und Freude dabei. Sie lernen von uns „Alten“ und nehmen dankbar Tipps an. Es macht richtig Spaß mit ihnen! 

Foto: Jürgen Joachim © 2015
Dieses Mittwochs-Angebot richtet sich an alle „alten“ und neu ausgebildeten Ruderer. Das soll auch den durch Anfängerkurse stark frequentierten Ruderbetrieb am Dienstag und Donnerstag entlasten. Also: Alle, die nicht unmittelbar mit dem Kursbetrieb zu tun haben, z.B. weil sie zum Steuern eingeteilt werden, sollten bitte auch an das Mittwochsrudern denken. Kommt doch mal mit! Es macht richtig Spaß!



Jürgen Joachim (Wanderruderwart) © 2015

Dienstag, 2. Juni 2015

Das TiB -TiB Ritual

Heiko winkt in Vorfreude mit unsere Fahne
Wie jedes Jahr startete auch 2015 wieder eine Gruppe von Ruderern Richtung TiB Tiefwerder um im  Nordwesten Berlins die Kameraden zu besuchen. Mit zwei Doppelvierern stachen wir am Samstag um 9:00 Uhr in See.
Die Mannschaften wurden gut verteilt, so dass keines der Boote dem Anderen wegfahren konnte. Fahrtenleiter Udo fuhr mit der Spree voraus. Ein inzwischen betagtes aber extrem stabiles geklinkertes Boot. Heiko folgte mit unserem neuesten Kahn, dem "Großer Zug" der damit zum zweiten Mal seine Wanderfahrt-Qualitäten unter Beweis stellen musste.

Die erste Etappe ging vom Wassersportzentrum Oberspree über die Spree in den Britzer Verbindungskanal. Am Hafen Britz Ost scharf Backbord in den Neuköllner Schifffahrtskanal. An der Schleuse war dann erstmal Schluss. Wo sind Heiko und  seinen Mannen und Damen (beim ihm fuhr auch Ana mit)? Sie hatten noch schnell einen Teamwechsel bei Wiking eingelegt.
Alle wieder vereint konnte es jetzt gemeinsam durch die Britzer Schleuse gehen. Hier machten auch wir unseren ersten Steuermannswechsel.

Gefühlte 0,1 Höhenmeter tiefer ging es nun weiter bis zum Urbanhafen. In Neukölln passierten wir noch die letzten Partyhengste der letzten Nacht. Bei tiefen Bässen säumten sie die Neuköllner Ufer. Am Maybachufer ging es in den Landwehrkanal rein bis zum Urbankrankenhaus. Hier angekommen gab es für alle erstmal einen kleinen Snack. 

Erste längere Pause am Urbanhafen

Nun galt es die Innenstadt zu erobern. Den Landwehrkanal weiter runter erblickte man unzählige Punkte die man auch vom Land her kennt, doch eher selten von der Wasserseite aus betrachten kann. U-Bahnhof Hallesches Tor  - wie immer geschäftiges Treiben.
Plötzlich ein riesiges Flugzeug direkt backbord - wir haben das Technische Museum erreicht.
Kurz danach Steuerbord die Neue Nationalgalerie
Dit is ja wie Sightseeing.
Nun geht's am Zoo vorbei. Ich habe nur einen Fischreiher gesehen - ich glaub der gehört nicht dazu.

An der Capt'n Schillow vorbei und unter der "Strasse am 17. Juni" hindurch. Kurz darauf treffen wir wieder auf die Spree. Gehn Westen gesteuert fahren wir auf ihr weiter und halten an der Caprivi Brücke. Hier gibt's es eine Erfrischung für alle und man kann sich auf den Uferwiesen mal kurz lang machen.

Der Spree folgend rudern wir weiter. Die urbane Uferlandschaft weicht kurz grüner Bewaldung um kurz darauf von massiven Industriebauten abgelöst zu werden. Kraftwerk Reuter West mit eigenem Hafen, riesigen Gebäuden und einem massiven Kühlturm ist nicht zu übersehen.

An der Havel angelangt geht es weiter Richtung Tiefwerder. Unsere Kameraden warten sicherlich schon mit Kaffee und Kuchen. Jetzt ist es auch nur noch ein kurzes Stück. Am Südhafen ein scharfe Biegung (Udo meint 210° - aber ich weiß nicht).  Dann durch bis zum Unterhafen. Erstaunlich - auf dem kurzen Stück ganze vier Rudervereine. Wir legen an.
Am Ufer warten schon Hatsch (unser Landdienst heute) und viele Kameraden von Tiefwerder. Das neue leichte Boot wird zu Land getragen und die Spree wird sicher zwischen Steg und Ufer festgemacht.

Nach gut 33 Kilometern wird sich gereckt und gestreckt. Anschliessend bringen wir unsere Klamotten in die Herberge und setzen uns an den voll gedeckten Tisch. Auf Kaffee und Kuchen hatten wir uns die letzten Kilometer gefreut. Und natürlich auf unsere Kameraden, die man trotz des selben Vereins viel zu selten sieht. Die Entfernung ist halt doch nicht zu unterschätzen. 

Kaffee und Kuchen - wat will man mehr
Wat ham wa gelacht
Die regen Gespräche werden durch einen plötzlichen Wolkenbruch unterbrochen und wir flüchten in die gemütliche Vereinshütte. Als wenn nix gewesen wär geht es hier weiter mit Fachsimpeleien, alten Anekdoten und Kennenlernen der Neuwasserfahrer. Als der Regen wieder der Abendsonne wich setzten wir uns raus zum Grillen und später um die Feuerschale (die Nächte sind noch etwas kühl).
Kühl aber gemütlich um die Feuerschale


Tiefwerder spendete noch Bier, Hatsch zauberte aus dem Kofferraum lecker Wein.
Es war super lustig. Keule erzählte vom "Zeltlager", doch die Geschichte kann ich hier nicht wiedergeben. Sorry. 

Geschafft aber glücklich krochen wir zu später Stunde in unsere Kojen.
Leider nicht für lang.

Schon um 6:30 Uhr machte Fahrtleiter Udo Alarm. Komischerweise waren alle halbwegs fit. Nur ich schälte mich aus dem Schlafsack und war eher mürrisch unterwegs. Frühstück, Kaffee und dann schnell Sachen packen. Wir hatten heute noch gut Weg vor uns. Wir wollten nicht die  selbe Route zurück, sondern südlich durch den Teltow-Kanal.

Udo in aller Herrgottsfrühe gut drauf

Wir verabschiedeten uns von unseren Gastgebern. Es war wirklich toll. 
Nochmal winken und los. Ruff uff die Havel.

Bisl stürmisch heute - dachte ich. 
Bei der Insel Schwanenwerder kürzten wir ab - also Ruder lang - durch die kleine Brücke und rauf auf den Wannsee. 
Auf dem Wannsee hatte der Wind ein bisschen mehr Platz zum Wellen machen. Entsprechend schlug uns auch die ein oder andere Woge ins Boot. Doch wir kämpften uns durch (zu bedenken- wir waren doch alle noch ein wenig müde vom Vorabend). 
Die Segler hingegen freute es und somit zierte den Horizont ein Meer aus weißen Segeln. 

Ab dem kleinen Wannsee wurde alles entspannter. Schicke Villen an den Ufern und entspannte Fahrwasser. Beim Schülerinnen-Ruderverband ein kurzer Stopp und Steuermannswechsel. Weiter ging es über den Pohlesee, Stölpchensee dann den Gribnitzsee kurz angerissen. Von da aus rein in den Teltow-Kanal bis zur Schleuse Kleinmachnow
Ein grosses imposantes Gebäude. Noch durch Kaiser Wilhelm dem II fand die Eröffnung im Jahre 1906 statt. 2,86 Meter höher konnten wir dann weiter rudern. 

Von da an war es halt viel Kanal - aber schön. Links und rechts hatten wir grün. Jogger versuchten sich mit uns zu messen (vergeblich). Hin und wieder Brücken wo Eltern und ihre Knirpse winkten. Nur zum Anlegen bot sich nicht so recht Gelegenheit. Also kleiner Zwangsstopp an einer halbwegs brauchbaren Uferbefestigung und sofort wieder weiter. Udo und Co. sind schon an uns vorbei. Nächster Treffpunkt: Tempelhofer Hafen.



Dort angekommen ist es rappelvoll. Eine Wakeboard-Meisterschaft wird hier gerade ausgetragen. Wir finden mit unserem Boot nicht sofort einen Platz zum anlegen und von Udo ist keine Spur. Also am Floss vom Hafenmeister festgemacht und rübergeklettert. Die Pause war bitter nötig. Trinken und essen. Doch wo ist Udo? Mal anrufen. Sie hatten wohl auch keine rechte Anlegemöglichkeit entdeckt und sind weiter zu Wiking.

Ok. Dann galt für uns jetzt auch keine Eile mehr. Die kriegen wir eh nicht mehr ein.
Frisch gestärkt bestiegen wir wieder unser Boot und setzten die Fahrt fort.

Bei Wiking nochmal kurz Stopp um anschliessend in die Zieletappe aufzubrechen.
Britzer Verbindungskanal, Spree - vorbei am Rohbau zu neuen Süd-Ost-Verbindungsbrücke (Bing zeigt die fälschlicher Weise als schon existent).
Die Spree empfing uns wieder mit mehr Wellen und der Rixdorf Ausflugsdampfer der Reederei Riedel machte extra Welle - Sein Feierabend war im wohl wichtiger als das wir Heile ankommen. Danke dafür. 

Am Steg angekommen trugen unsere Kameraden gerade das andere Boot in die Halle. 
Am Steg vielen sich alle in die Arme und man schwatzte noch ein wenig über das gerade Erlebte. Den Neuwasser-Kameraden hat es auch gefallen und kennen jetzt auch den Weg zu unseren TiB Freunden im Norden. Das Wetter meinte es mehr als gut mit uns. Bei strahlendem Sonnenschein ruderten wir durch ganz Berlin. Das diese Fahrt eine der liebsten der Vereinsmitglieder ist versteht sich nach dem Erlebnis von selbst. Nächstes Jahr bestimmt wieder.


Text & Fotos: Helge Kubath © 2015